, seine deutsche Flagge auf der
Besan wehen: das war der Tiefe seines Wesens entsprungen und entsprach seiner
Liebe zu seinem Fahrzeug, seiner Wikingerlust an der Seefahrt. Hatte der Wind
das bunte Tuch zerfetzt, dann zog er unbekümmert eine neue Flagge auf und ließ
weder Furcht noch Aberglauben in seine Seele hinein. Sonnigen Herzens pflügte
der glückliche Fischer die See, lachend strich er den reichen Segen ein, den sie
für ihn hatte, und wenn der Fische noch so viele waren. Fremd war ihm das alte
heidnische Gefühl, das den Bauern bewog, sein Feld nicht ganz zu mähen, sondern
eine Ecke Hafers stehen zu lassen, für die Götter, für Wotans Schimmel.
    Sie sagten, man solle und dürfe niemand aufs Wasser weisen. Wer den Weg nach
dem Schiff nicht von selbst finde, aus dem könne doch kein Seemann werden: am
besten aber sei es immer noch gewesen, wenn einer gegen seiner Eltern und aller
Willen zur See gegangen sei. Was scherte das Klaus Mewes, den Lachenden? Er
sprach mit seinem Jungen nichts als Fischerei und Seefahrt und erfüllte ihn mit
nichts anderem, als dass er Fahrensmann werden müsse und solle. Was für Last
haben die Frauen am Deich, dass sie die Kinder vom Graben und von der Elbe
fernhalten, dass sie sie aus den Booten und Kähnen herausbringen! Goh man ne bit
Woter! ist ihr zweites und drittes Wort. Was tut Klaus Mewes? Er lacht und sagt:
»Goh man beten bit Woter, Störtebeker! Schipper man mol, klüs man mol not
Fohrwoter raf, seil man beten, swümm man mol, dor ligt de Boot, dor is de Kohn!«
    Und eines brannte er dem Jungen wie mit glühendem Eisen ins Herz und drückte
es tief und unverwischbar, unauslöschlich ein: Ne bang wardn! Nicht bange
werden, sonst kommst du nicht mit nach See! Nicht bange werden, zu keiner Zeit
und Stunde, einerlei, ob es hell oder dunkel ist, ob es donnert oder blitzt oder
weht, weder auf dem Wasser noch an Land, weder in den Masten noch auf den
Bäumen, weder vor Menschen noch vor Tieren, weder vor Lebendigen noch vor Toten!
Nicht bange werden, nicht bange werden!
    Und der Junge nahm es auf, wie das Segel den Wind. Bang dött ik ne wardn,
ans komm ik ne no See, sagte er sich immer wieder, wenn ihm etwas Furcht
einjagen wollte, und wurde dreist und verwegen, wie sein Vater es wollte.
    Sie hatten die Höhe des Deiches erreicht, und Klaus Mewes blickte aufatmend
über die Elbe. Und wenn er auch die Fischerewer noch im Wintereise sitzen sah,
das nicht von den Schallen schmelzen wollte, so fischte
