 unnachgiebiger Hemmung gegenüber, ein unbesiegliches
Unvermögen, sich dem Stoff auch nur zu nähern. Er müsste, wenn er seiner
Tintenscheu überhaupt Herr würde, unbedingt immer beginnen: Zögernd ergreife ich
die Feder.«
    »Und was geschieht mit diesen zurückgedrängten Ideen? Verpufft das alles in
nichts?«
    »Nicht ganz. Manchmal kommt es unter der Einwirkung von starkem Kaffee,
Nikotin, Menschen- und Zigarrendampf und einer auf die Nerven tastenden
Geselligkeit zur Entladung. Im Kaféhaus turnen dann die Energien, und dem
Expansionsdrang des geistigen Gewebes wird da genügt. - - Ein solcher Exzess,
vereinzelt, wäre noch nicht schlimm; geschieht das aber regelmäßig, so treten
bald alle Merkmale einer schlecht funktionierenden Phantasie auf, - die entweder
leer ist, oder so überfüllt, dass sich ihr Inhalt verknäuelt.«
    »Du sagtest da vorhin etwas von Tintenscheu, - wie meinst du das?«
    »Nun, zuzeiten laufen die Gedanken, - wenn man es unternimmt, sie bis zur
Spitze der Feder zu treiben, - auseinander, wie eine Schar Gänse, in die ein
Hund hineinspringt ... der Tintentegel wirkt dann so unheimlich, wie ein
Instrument der schwarzen Magie;... ein Zustand, den jeder Schriftsteller kennt;
- nur darf er, wie gesagt, nicht chronisch werden, und der Bann dieser Magie muss
sich rechtzeitig sprengen lassen.«
    Olga dachte, dass sie diese Angst vor der Tinte - was sie selbst betraf -
recht gut begreifen könnte; hatte sie doch immer ein Widerstreben dagegen, auch
nur die Hauptgedanken eines Vortrags aufs Papier zu bringen. Ihr Mittel war das
gesprochene Wort; aber bei einem, der schreiben wollte und sollte, musste das
doch anders sein.
    »Vielleicht fehlt es deinem Freund vorübergehend an Stimmung«, meinte sie.
    Stanislaus lächelte. »Um sich selbst ganz zu besitzen, - also zur
produktiven Arbeit, - braucht man nicht so sehr eine besondere, positive
Stimmung.«
    »Was sonst?«
    »Ein gewisses Maß von Freiheit; und dies fehlt ihm.«
    »Du meinst Freiheit von - Bedrängnissen? Seelischen, moralischen und
vielleicht auch ökonomischen Bedrängnissen?«
    Zögern sagte er: »Ja, - ein gewisses Maß von innerer Freiheit braucht man.«
Und leise, dumpf, fügte er hinzu: »Vielleicht auch von sinnlichen
Bedrängnissen.« Er schwieg, blickte nieder, und die Hand schob unruhig den
Teelöffel am Tischtuch hin und her, dass er leise gegen die Tasse klirrte.
    Es läutete. Draußen wurde die Korridortür geöffnet, und gleich darauf
klopfte es an die Tür von Stanislaus Zimmer.
    Einen breitkrämpigen Filzhut tief in die Stirn gedrückt, in eine
Lodenpelerine gehüllt, so trat der, von dem die Rede gewesen
