
war eine Spur von Schalkhaftigkeit darin - »sehr befremdlich erscheinen wird.«
    Olga horchte gespannt.
    »Ich habe geheiratet,« sagte Eva, - »weil ich eine günstige Veränderung
meiner Lage darin sah; und ich werde nicht eher die Ehe lösen, als bis ich
zumindest die Gewissheit habe, nicht in eine schlimmere, schwerer erträgliche
Lage zu kommen, als die es ist, in der ich bin. Das ist alles.«
    In Olgas Gesicht malte sich eine nicht zu verbergende Verblüffung.
    »Ich dachte mir, dass es Sie überraschen würde, diese einfache Tatsache so
unverkleidet aussprechen zu hören.«
    »Ich verstehe Sie wahrscheinlich nicht ganz,« sagte Olga. »Wie - wie - kann
das gemeint sein?«
    Eva sah lächelnd und ruhig vor sich hin. »Sehen Sie,« sagte sie, »es ist so
bezeichnend, dass Sie, als eine rein empfindende Frau, verwundert sind über
dieses Bekenntnis. Es ist bezeichnend, sage ich; denn es gibt jetzt so viele
Menschen, wie mir scheint, - denen - wie soll ich es nennen - bei der Vertiefung
ihres geistigen und moralischen Lebens das abhanden gekommen ist, was nun einmal
die Voraussetzung eines geistigen und nicht geistigen Lebens überhaupt ist -
nämlich -« sie stockte, schien nach dem richtigen Wort zu suchen, - »nämlich der
- Instinkt - gewisse Taten, die einen ins Verderben stürzen, - bleiben zu
lassen;« - und ruhig fügte sie hinzu: »also wohl einfach eine Art von deutlichem
Selbsterhaltungstrieb.«
    Olga horchte verwundert, belebt.
    »Ich weiß nicht,« fuhr Eva fort, - »ob Sie dieses Gefühl kennen - dieses
Gefühl, - dass man gewisse entscheidende, schicksalsschwere Dinge erst dann tun
darf, wenn ihre Notwendigkeit so deutlich geworden ist, dass man sich wahrhaftig
geschoben fühlt, indem man sie tut, - dass es so geschieht - nun so - als ob man
überhaupt nichts zu wollen hätte dabei.« - - Nachdenklich sah sie vor sich hin.
»Ich selbst habe immer nur getan - was ich auf diese Art tun musste.«
    »Und so lange?«
    »So lange? Sie meinen - was zwischen diesen Taten geschieht? Man lebt - man
wartet! Und die größte Versuchung des Lebens scheint mir, dass es Situationen um
uns aufstellt, die uns dieses Warten lehren sollen, - dass es eine Art von
passiver Energie von uns verlangt, die vielleicht schwerer ist, als die aktive
der Tat.«
    Schritte wurden laut, Eva, hingegeben an das, was aus ihr sprach, überhörte
sie, aber Olga sah durch die halb zurückgezogene Portière ihren Bruder, der sie
abholen sollte, im Nebenzimmer eintreten.
