 Manfreds - das Schriftbild des teuren Namens
grub sich brennend in ihr mühsam bezwungenes Herz, - stark vor sein inneres Auge
getreten war ... »Ein vollkommener Mensch ist der,« - so schrieb er - »dessen
Erscheinungsform dem Urbild seiner Idee am nächsten kommt. Denn die Urbilder
allein sind die letzten Wesenheiten der Dinge. Die Vielen und Meisten, in sich
selbst Zerstückelten, in sich selbst Vielfachen, entfernen sich mehr und mehr
von ihrem eigenen Urbild, von dem letzten Gedanken, der ihrer Erscheinung
zugrunde liegt; selten taucht Einer empor, der den Sinn seines Wesens erfüllt.
Ist Dir das unsagbare Glück begegnet, die Gestalt Deiner Sehnsucht leibhaftig zu
sehen, Deinen Weg mit dem jener Erscheinung zu kreuzen, so vergiss niemals dieses
wunderbare Geschehen immer nur als Glück zu werten. Einerlei ob der Besitz der
geliebten Person damit verbunden ist oder nicht. Öffne diesem einzigen Gedanken
Dein Herz, und alles triebhaft Undeutliche wird friedlich und deutlich werden,
und alle verstreuten und spukenden Kräfte werden das Zentrum suchen. Du wirst
Dich dann stark fühlen - Du wirst Dich fühlen. Du bist dann. Es ist Dir, als
müsstest Du Dich einer Führung überlassen, die als höhere empfunden wird. Du bist
scheinbar unbeteiligt mit dem Willen, das heißt, Du spürst ihn nicht. Du
gelangst in einen wahrhaft seligen Zustand, - wenn selig als das Wort gefasst
wird, das von Seele stammt ... Nur jene Reinigung des Herzens lässt Dir das
geliebte Bildnis so hell erstrahlen, dass es Dein bleibt auf allen Wegen ...
    Gedanken der innigsten Versöhnung mit dem Leben sind in diesen Zeiten, die
ich hier verbringe, über mich gekommen. Ich sehe einen beruhigenden Sinn in
allem mir früher so sinnlos scheinenden Walten, und einzig der Glaube an diese
kristallene Vernunft, die auf dem Grunde der Dinge wirkt, - einzig dieser
Gedanke lässt mich das Leben ertragen - ja lieben. Es ist die Flucht vor den
Irreführungen des Treibens der Welt, die diese beglückende Hellsichtigkeit in
mancher Stunde im Gemüt entstehen lässt - ich weiß es. Aber manchmal überkommt
mich dennoch, - ich nach sagte es Dir schon, - etwas wie bange Sehnsucht nach
jenem verwirrenden Brausen, - nach der dumpfen Musik des tätigen Lebens. Fast
sehne ich mich dann, den geraden und glatten Weg, den ich nun wandle, wieder zu
verlassen und an jenen vielfach verkreuzten Pfaden, - von neuem - irrend - die
Richtung zu suchen. Stimmen erheben sich, Stimmen der Verführung, Stimmen, die
zur Unrast der Welt hinlocken und zu wagemütiger Beteiligung an den Gefechten
des Tages. Dann sage ich mir wohl: ist das eine Antwort, die ich hier erhielt, -
oder ist es nicht eine neue Frage
