 er sich und anderen gestellt hatte. Die Macht des Unsinns, der sieghaft noch
immer seine Herrschaft übte, zu brechen oder doch zu schwächen. Dazu bedarf es
eines Hochdrucks von Intelligenz. Und da der Grad der intellektuellen Potenz
sowohl im Komplex des Individuums als in dem der Art beschlossen lag, hieß es,
die Vorgänge des körperlichen Lebens ganz ebenso ergründen, wie jene des
sozialen und des immateriellen Gefüges der Welt. Nun, da der Stab der Helfer
gebildet war, nun schien das Werk keine Utopie mehr. -
    Die Uhr war acht. Manfred grüßte zur Tür. Einer der Herren, die zur Sitzung
kamen, war eingetreten. Man erhob sich und ging hinauf in das reservierte
Klubzimmer. Im Verlauf einer Viertelstunde waren die Erwarteten fast vollzählig
zur Stelle.
    Da war ein Gelehrter, ein älterer Mann, der ein großes Werk über soziale
Ökonomie geschrieben hatte, dann ein Physiologe, der für die Regeneration der
Menschen durch Verbreitung einer Ernährungswissenschaft auf chemischer Grundlage
kämpfte ... Justus war gekommen und Stanislaus. Nachdem der Arzt und der
Nationalökonom ihr Programm entwickelten, ging man zur Abteilung für Technik
über. Hier war alles schon beschlossen. Ein junger Mann mit großem, kahlen Kopf
und heiterem Gesicht, sehr hellblond, stellte den Antrag, eine Rubrik des
Blattes zu bennenen: »Register des Unsinns«. Hier sollte jeder Unsinn, der die
soziale, generative, moralische und ästhetische Entwicklung der Menschheit
bedrohte, gleich in seinen ersten Äußerungen eingefangen und gespiesst werden.
Die barbarischen Atavismen der Zeit, - hier wollte man sie ins Netz kriegen und,
entsprechend präpariert, zur Schau stellen.
    Stanislaus übernahm die Redaktion des Blattes und sollte später als
Herausgeber zeichnen. Es war beinahe ein zu großes Amt, das auf ihn gelegt
wurde, wenn er daneben auch noch weiter produktiv bleiben wollte. Hier wäre ein
Platz für Werner gewesen, dachte er, für Werner, der ein scharfer Leser war.
Aber der saß nun im gelben Kleid und grübelte über den Rätseln des Daseins. -
Besondere Beachtung sollte, neben allen anderen Künsten, der Schauspielkunst
geschenkt werden. Und neben deren Kritik sollten von Zeit zu Zeit Aufsätze über
das Wesen dieser Kunst von einem der ihrigen veröffentlicht werden. Auch er war
da: ein so vollkommener Schauspieler, dass er nichts mehr Teatralisches in
seinem Wesen hatte; dieser schlanke, kaum über Mittelgrösse ragende Körper, der
wie ein dämonisches Instrument des Geistes schien, - wie der wahre Mittler
zwischen Geist und Erscheinung, - hatte die freie Gebärde des vollkommen
vergeistigten Instinktes. Dieser Mann, den die Gegenwart als den größten seiner
Zunft pries, und der die beherrschte Haltung des immer Gefeierten hatte, war in
enger Fühlung mit Manfreds Lebensplan. Manfred erklärte, warum die
Schauspielkunst
