 des Schicksals, das einem in diesem einen,
kleinen Leben herumwirbeln mochte auf krause und scheinbar sinnlose Art? Nur der
bestätigte Glaube an das Idol der eigenen transzendenten Sehnsucht, - nur der
war der sichere Wegweiser im Labyrinth.
    Sie hatte die Blicke von der Tür gewendet und sie auf eine illustrierte
Zeitung gesenkt, die sie in Händen hielt. Plötzlich fiel ein Schatten auf das
Blatt, - wie ein glückliches Erschrecken ging es durch ihr Wesen, wie ein Riss
vom Herzen in die Glieder ... Manfred stand an ihrem Tisch. Sein Gesicht lachte
ihr zu, und während er seinen Mantel ablegte und dem wartenden Kellner übergab,
entschuldigte er sich für die kleine Verspätung.
    Er hatte sie hierher gerufen, um mit ihr einen Plan zu besprechen, der schon
geklärt sein sollte, wenn die Sitzung zusammentraf: er wünschte möglichst bald
in dem neuen Blatt einen Artikel von ihr zu bringen, betitelt »Die Freiheit der
Frau«.
    Sie horchte und wurde nachdenklich. Dieses Thema, - - war sie wohl diesem
Thema gewachsen? Sie bat ihn, ihr das Thema deutlicher zu machen.
    »Die Freiheit, die ich meine - - Sie können sich denken, dass es nicht etwa
die Freiheit ist, mit der man auf Frauenversammlungen irgendein politisches
Recht im Schweiße seines Angesichtes erkämpft ... obwohl die Erkämpfung solcher
Rechte auch zur Sache gehört. Aber die Freiheit, die ich meine,« er stockte, und
sein vollkommen geformtes Antlitz, dem ihren so nahe, blieb ihr einen Augenblick
nachdenklich zugewendet, - »die ist eine, die alle jene Kämpfe um positive,
materielle Güter erst sinnvoll machen soll.« Und ernst und aufmunternd forderte
er sie auf: »Umgrenzen Sie mir das Problem.«
    Er neigte ihr den Kopf zu, und die Lichtströme seiner Augen nahmen
ungehindert den Weg in die ihren. Er fuhr fort: »Gestalten Sie das Problem der -
fast möchte ich sagen, der esoterischen Frauenbewegung wenn das Wort esoterisch
nicht gerade für mich«, er seufzte - »einen unerquicklich mystagogischen und
anrüchigen Klang hätte. Aber abgesehen von dieser suggestiven Färbung, die das
Wort gerade für mich hat, - hat es hier Geltung. Jawohl, - umgrenzen Sie mir das
Problem der esoterischen Freiheitsregung der neuen Frau!«
    »Und warum - ich?«
    »Sie - nur Sie. Denn wer sonst? Da wäre noch meine Mutter, aber sie kann
diesen Gedanken nicht mehr das Blut der Jugend geben. Neben ihr sind nur Sie -
die einzige, - - die davon etwas weiß, die einzige, die darüber etwas sagen
kann.«
    Sie lächelte: »Sagen kann; das vielleicht, aber schreiben, ich?« Und fast
schamhaft wiederholte sie
