
Unterströmung begleite. Die Übersetzung alter, orientalischer Texte, sowie
religiös-philosophischer Vorträge und gewisse Übungen der Versenkung der Seele
in sich selbst gehörten mit zu der Beschäftigung der Kolonisten. Der zentrale
Glaube, nach welchem die Lebensführung gerichtet werde, sei die altarische
Lehre: dass das Seelenheil nur durch die höchste Entwickelung des Verstandes zu
erreichen sei, dass nur die Unwissenheit von der richtigen Vorstellung der Dinge
trenne und jene Disharmonien erschaffe, an denen sich die Menschheit verblute.
Diese Erziehung des Geistes sei die eigentliche Tugend, die hier gepflegt werde;
ein Leben in Zurückgezogenheit, in andächtiger Vertiefung in die höchsten
Gedanken, - das sei der Weg zu diesem Ziel. Die wahren Strebungen dieser Lehre
seien also gerade entgegengesetzt jener gewöhnlichen, europäischen Auffassung,
die da behauptet, der Buddhismus erstrebe den geistigen Tod. Schon der
beständige Kampf, die moralischen Grundprobleme der Welt zu vertiefen, erfordere
unausgesetzte Übung der Vernunft, die von jenem Zustande seelischen Verdämmerns,
den man hinter dem Buddhismus vermute, am sichersten bewahre. Der Neu-Buddhismus
kenne auch kein Nirwâna, wie es die Europäer verstehen; die stille Andacht,
welcher die Seele sich ergibt, bringe sie allerdings einem Zustand näher, der
die Bilder der Welt und ihre lauten Kämpfe zurückweichen lasse. »Geh' an der
Welt vorbei - es ist nichts«... Über dieses Nichts, als endliches Ziel,
schwankten die Meinungen der verschiedenen Sekten. Jedenfalls sei der Begriff
ein so transzendenter, dass er das Streben der Jünger nach Vervollkommnung nicht
beeinflusse.
    Ursprünglich sei ein einziger, deutscher Mönch an das Ufer des Luganer Sees
gekommen. Eine kleine Blockhütte war für ihn errichtet worden; dann aber hatte
er zwei seiner Schüler deutscher Abstammung zu sich kommen lassen, und nun
wurden noch einige Holländer und Engländer erwartet. Die Blockhütten würden denn
auch vermehrt. So scheine sich diese Niederlassung in Mitteleuropa zu festigen
und zu verbreitern. Er selbst sei bereit, in diese Gemeinde als Kolonist
einzutreten. Kein Gelübde werde ihn binden. Wohl werde von ihm erwartet, dass er
sich zum Buddhismus ausdrücklich bekenne, aber erst nach einer vorbereitenden
Zeitspanne, die er als Schüler in der Gemeinde verbringe. Um die mönchischen
Grade zu erringen, müsste er später nach Indien gehen und dort, in alten
Klöstern, den Buddhismus an seinen Quellen studieren; aber so weit sei es noch
lange nicht; immerhin - so schrieb er - fühle er sich heute freier, als er
jemals war; Beruhigung habe sich über ihn gebreitet. Seit der Zeit, da er den
Brief des Herrn von Bredow erhalten, habe die böse und giftige Wunde aufgehört
zu schwären, - er fühle, wie sie sich schließe ... Und dass ihm hier, in der
Sonne des Südens,
