 den Menschen zu heben, - seine
Person selbst, - vom Keim an. Er erinnerte sich, wie sie sich beide, suchend,
tastend um das Problem gemüht hatten, das ihnen erschienen war, wie ein
verschleiertes Bildnis, und wie er, Stanislaus, zu Werner gesagt hatte: »Nicht
ich und nicht Sie können die Gestalt dieser verhüllten Erscheinung erkennen ...
da ist ... ein letztes, das fehlt ... Ihnen und mir fehlt ... ein letztes Ahnen,
- ein Wissen um dieses Ding«... Und wie sie vom ahnend Geborenen gesprochen, -
auch daran erinnerte er sich, - der allein löste, worüber sie grübelten.
    Und beide, Olga und Stanislaus, sprachen es fast im gleichen Augenblick aus,
- dass Werner hierher gehört hätte, - hierher als Schüler, hierher zu Manfreds
Werk. Werner - wo war er? Gelandet, - gestrandet?
    Aber sie wollte noch mehr hören von dem, was Stanislaus heute erfahren
hatte. Und er erzählte von der imposanten Kleinarbeit, die als Mittel zum großen
Zweck hier im Gange war: »Durchforschen und erfahren, sichten, gruppieren,
registrieren, - die Dinge ansehen, rein auf ihr Wesen hin, mit Zurücksetzung
aller subjektiven Färbung. Eine systematische Riesenuntersuchung der Tatsachen;
und dann die Gruppierung dieser Tatsachen, die Schichtung, - immer höher und
höher,« - er machte mit der Hand ansteigende Bewegungen, - »wie eine Pyramide
sich verjüngend, - bis hinauf zur Spitze der Forderung: des positiven
Programms.«
    Er konnte kein Ende finden, - und sie horchte.
    »dabei ist diesem Manne alles Schwelgen im Unklaren, alles romantische
Träumen zuwider.«
    »Diese Abneigung soll ja auch seine Ehe geschieden haben«, sagte Olga.
    »Seine Ehe?«
    »Ja, er ist verheiratet, und jetzt, als er zurückkam, hat man sich
beiderseits zur Scheidung entschlossen.« Sie erzählte, was sie im Bunde von der
Gattin Dr. Wallentins gehört hatte. Wie hieß sie doch? - Frau Lucinda Wallentin.
    Stanislaus fuhr fort: »In dieser romantischen Selbstbenebelung der
Menschheit sieht Dr. Wallentin das Hauptindernis ihres Fortschreitens. Dieser
dämmernde Selbstbetrug, in dem sich ganze Zeiten gefallen, die sich in
verschleierter Unklarheit über das Wesen der Tatsachen hinwegtäuschen wollen,
ist für ihn der Wegebahner der furchtbaren Machterrschaft des Unsinns. Seiner
Meinung nach ist dies der Grund, warum die Menschheit als großes Ganzes noch
immer dumpf ist, dumpf und verschlafen, - und warum es nur wenige gibt, die die
Wege erkennen, die sie gehen muss. Freilich, um diese dämmerigen Schleier
entbehren zu können, bedarf es der Gehirne, die in gutem Zustand geboren sind
.
