 und
Schriftsteller, Naturforscher, Soziologen, Philosophen; und außer den
europäischen Staaten sind Indien, China, Japan, Amerika, Neuseeland vertreten.
    Olga fragte, auf welche Art diese Liga in der Öffentlichkeit auftreten
wolle.
    Zuerst werden eine Reihe von Vorträgen und internationalen Kongressen
veranstaltet. Die Gesellschaft tritt in Aktion mit der ausgesprochenen Absicht,
alle Ziele zu verfolgen, welche zur Hervorbringung eines menschlichen
Leistungsadels führen. Man geht politisch vor: wenn man durch große Kongresse
die öffentliche Meinung beeinflusst hat, so tritt man an die Körperschaften
solcher Staaten heran, die für kulturelle Reformen in Frage kommen. Man gründet
überall Zentralstellen zur Verständigung der Kulturvölker, zum Zwecke
gemeinsamen Vorgehens; anstatt der groben Partei- und Nationalpolitik, die heute
zumeist getrieben wird, will man den Gedanken einer intellektuellen Weltpolitik
durchzusetzen suchen. Die Staatsgewalt soll diesem Gedanken erobert werden.
Darum musste diese erlesene Schar verbündet zusammentreten ... Und er nannte ihr
die Namen der großen Dichter und Künstler, der großen Staatsmänner, der Forscher
... ...
    »Übrigens hat Dr. Wallentin noch einen jüngeren Bruder, der Antropologe ist
und gleichzeitig auf anderen Wegen eine Weltreise machte, aber zu demselben
Zweck. Während Wallentin, der ältere, soziale Tatsachen sammelte und gruppierte,
hat der jüngere Wallentin das Problem von der etnischen Seite untersucht. Die
Lebensverhältnisse auch noch unbekannter Völker soll er untersuchen, - auch das
wird zu dem Werke gebraucht.« Er schwieg eine Weile, in Gedanken tief
versponnen, dann fuhr er fort: »Dieses Werk zu erdenken, ist allein schon ein
Wunder. Scharf umgrenzt steht das Ziel da, -« er sprach wie für sich selbst und
blickte ins Weite, als sähe er eine noch ferne Gestalt, - »das Ziel, welches
heißt - die Welt politisieren, in dem Sinne, dass menschlicher Adel erwachsen
kann ... Mehr schöne Menschen, - das ist die Forderung, an deren Nichterfüllung
die Welt krankt. Von hier aus muss das Werk der Reformation einsetzen.«
    Wie? In Olga drängte eine Erinnerung ans Licht, und sie sprach sie aus. War
das nicht derselbe Gedanke, der einstmals Werner zum Sozialismus geführt hatte?
Ersehnte nicht auch er eine Gestaltung der Dinge, die, indem sie das Terrain für
alle ausglich, - scheinbar nivellierte, - gerade dadurch eine individuelle
Wertung ermöglichte, indem die Besten und Tauglichsten erst auf diesem
nivellierten Boden in ihren verschiedenen Höhen erkennbar wurden? Die
Bedingungen, unter denen ein generativer Adel der Menschheit sich bilden konnte,
systematisch schaffen zu helfen, - war das nicht auch sein Gedanke gewesen?
    Und auch Stanislaus entsann sich; ja, es war ein Gedanke, der in der Zeit
lag; auf verschiedenen Wegen drängte man dahin, -
