 ihrer
Seele - die hohe Erscheinung, - das blondsilberne Haar, - dieses Leuchten um den
Mund ... sie presste die Hand auf ihr Herz. Dieses Bild wich nicht aus ihrem
Erinnern; immer wieder sah sie ihn und hörte im Geist, wie er mit seiner Mutter
und mit ihr gesprochen, - deutlich stand sein Wesen vor ihr, in seiner klaren
Ruhe, mit seiner menschlich gütigen Verbindlichkeit, die sich mit dem edlen
Stolz seiner Haltung so seltsam einte. Wie eine sanfte Glut strömte es ihr aus
dieser Vision entgegen, als hätte das innere Feuer, das von ihm ausstrahlte, sie
ergriffen. Und je mehr sie sich in dieses Erinnern verlor, desto mehr empfand
sie eine fremde, süße Auflösung, die sie bis heute nicht gekannt, - eine junge
und jubelnde Sehnsucht ...
    Stanislaus kam. Sie sah an seinen glänzenden Augen, dass er Gutes erlebt
hatte. Er erzählte ihr freudig, dass Dr. Wallentin ihn als Redakteur für das neue
Blatt, das in Form einer Monatschrift erscheinen sollte, verpflichtet habe. Es
war ein Triumph für sie, dass der Bruder auf dieser für ihn so unverhofft
glücklichen Tatsache nicht lange verweilte und von dem Manne sprach, - von dem
er erfüllt war, wie sie.
    »In ihm«, sagte er, »sehe ich zum erstenmal den vollkommenen Weltmann, -
natürlich nicht im Sinne jenes Salonwortes, das heute jeder Geck für sich in
Anspruch nimmt. Nein, er ist,« - vertieft ging er im Zimmer auf und ab, - »er
ist der Mann der großen, weiten Welt.« - - - - Er ging, mit gesenktem Kopf, die
Hände in der Tasche, mit eiligen Schritten durch das Stübchen, als rekonstruiere
seine Phantasie das Bild, das sie empfangen. »Einen solchen Mann«, sagte er,
»muss man vor allem an seinem Werke sehen. Er ist einer der Helden, die man bei
ihrer Arbeit aufsuchen muss.« Er blieb stehen und hob den Kopf.
    »Ich habe mit ihm mehr als zwei Stunden über sein Werk gesprochen. Er setzte
mir auseinander, in welchem Sinne er das Blatt leiten will. Die Dinge sollen
untersucht werden, - auf ihre Natur hin - verstehst du wohl.« Er sah die
Schwester fragend an und fuhr eindringlich fort: Das heißt: wir wollen in diesem
Blatt nicht uns selbst und unsere Nuancen entfalten, - die Objekte sollen darin
ausgebreitet werden, treulich und ihrer Natur gemäß. Und es soll untersucht
werden, wohin wir auf Grund der vorhandenen Tatsachen zu steuern haben. Die
Mitarbeiter gehören allen Kulturländern an; Persönlichkeiten, - aus aller Welt,
- bilden den Ausschuss dieser internationalen Liga. Es sind Staatsmänner
