 müssen. Er - übrigen,« demonstrierte er, - »das heißt, -
ein Mehr, ein Übriges muss da sein, ein Übriges an Kraft. Darum bedürfen sie -
gerade sie - aller Akkumulatoren der Kraft, der Schonung, der Pflege, der Ruhe
und - ja und« mit verbindlichem Lächeln wandte er sich zu Stiller - »und der
günstigen seelischen Beeinflussung.«
    »Das also wollen Sie«, kam es, nach kurzem Schweigen, aus Stillers Munde,
und sein Gesicht war glatt und licht, wie ein Sommertag
    »Ich habe mir die Sache gut ausgerechnet«, sagte Doktor Emmerich. »Ein
reicher Patient - das gibt, bei Weglegung der nötigen Reserven für das Haus, -
zwei, vielleicht auch drei Plätze für meine anderen Invaliden. Das Unternehmen
ist zwar mein privater Besitz, soll aber verwaltet werden, als ob es einer
Genossenschaft diente: alles, was erübrigt wird, kommt dem Hause selbst und dem
einen Teil der Insassen wieder zugute.«
    Olga hatte fast vergessen, wo sie war, - einen Augenblick war ihr, als ob
das Dunkelblau des italienischen Sees, das strahlende Licht jener Landschaft vor
ihre Seele getreten wäre.
    »Diese Stürmenden, - wollen Sie einfrieden,« sagte sie, »diesen ewig
Unsicheren - eine Spanne Sicherheit gewähren. Aber glauben Sie, dass die wirklich
- Tüchtigen, die Echten und Starken, die mit dem großen Können und Wollen, -
solche Hilfe auch brauchen?«
    »Blicken Sie um sich«, sagte Emmerich und senkte unwillkürlich die Stimme.
»Nicht gerade hier«, fügte er lächelnd hinzu, da sie die Augen über das Lokal
schweifen ließ, »blicken Sie im Leben, in Ihren Kreisen um Sich! Sie werden
echtes Können und manches edle Wollen sehen. Aber Sie werden auch sehen, dass
dieser Wille fast überall gegen Nervenohnmacht kämpft und sich dabei
versplittert und verstäubt, wie Wellen, die auf Felsen schlagen. Daher sind
unter diesen geistig Ringenden jene so selten, die - wie soll ich es richtig
sagen, - großen Lebenszuständen gewachsen sind: der Liebe, dem sozialen Kampf,
dem Erwerbsleben mit seinem brutalen Gedränge, der Anpassung an das Milieu und
den Krisen der eigenen Brust in Sachen der Kunst, der Weltanschauung, des
inneren Dogmas und der Bedrängung durch eigene Triebe. Darum sehen Sie die einen
zu Sklaven ihrer Begierden werden, - andere wieder, die ihre Triebschwäche
lähmt.«
    Er unterbrach sich. Olga grüßte nach der Tür hin, durch deren Rondell eben
Stanislaus eingetreten war. »Der schöne Mensch«, fuhr Doktor Emmerich fort,
»wird immer seltener: das ist der, der Gefühlsströme zwischen sich und andere zu
leiten vermag, der die Freude in
