-Sorger über all dem wachen.«
    »Nacktkultur ist durchaus nichts Lächerliches. Nackt laufen in freier Luft,
nackt baden, turnen und tanzen würde bald aus unserem Volk etwas anderes machen,
als es zum großen Teil heute ist; lächerlich wird die Sache erst, wenn nackte
Menschen auf Möbeln in Salons sitzen und da Tee trinken und ästhetische
Gespräche führen.«
    Stiller beachtete diese Erklärung nicht, die erste Mitteilung Doktor
Emmerichs hielt ihn in Atem. »Nach welchen Gesichtspunkten, Herr Doktor
Emmerich, wollen Sie für seelische Kräftigung Honorar nehmen?«
    Doktor Emmerich hatte keinen Augenblick sein heiteres Lächeln verloren. Er
erwiderte: »Vor allem will ich ein materiell sehr leistungsfähiges Publikum da
hinunterziehen. Als langjähriger Arzt in einem großen Sanatorium habe ich
Fühlung mit dieser Klientel.«
    Stillers braunes Gesicht war gefältet, wie ein entrollter Fächer und ganz
von drohenden Schatten bedeckt. »So, so«, knurrte er.
    »Ja; dieses Publikum wird dann da unten in Atem gehalten. Sie zählten ja
vorhin schon die Metoden auf: elektrische Ströme, Wasser- und Sonnenbäder, und
was sonst noch drum und dran hängt. Besonders mit den billigen Kurmitteln des
Wassers, der Sonne und einer entwöhnenden Diät rechne ich. Eine heilsame
Frugalität der Ernährung ist aber den Patienten nur dann vertrauenswürdig, wenn
man die höchsten Preise dafür nimmt.«
    »Wunderbares Prinzip«, kam es pfauchend zwischen Stillers Zähnen hervor.
    »Das Haus wird natürlich sehr gut ausgestattet: modernes Inventar, gute,
hygienische Betten, W.C., - das fehlt da unten. Und wenn mir das glückt, wie ich
es meine,« fuhr Doktor Emmerich fort, und seine bebrillten Augen wurden licht, -
»dann kann ich - sozusagen - die leitende Idee meines Lebens endlich ausführen.«
    »Und die ist?« fragte Olga.
    »Sehen Sie, dann - dann schaffe ich da unten nach und nach eine Einrichtung,
die uns fehlt, - eine sehr notwendige Einrichtung: eine Erholungsstätte großen
und vornehmen Stils für geistig Arbeitende, - die kein Geld für Erholungsreisen
übrig haben und die das völlige Ausspannen bei sehr gutem und sorglosem Leben
notwendiger brauchen, wie alle anderen. Denn hier, in ihnen, sind die Kapitalien
der Zukunft; das Material, aus dem sie gebaut wird, sind aber diese Menschen
selbst. Sie haben nicht ihr Arbeitsmaterial neben sich, wie Tischler und
Schuster, - in sich haben sie es, sie selbst sind es, ihr eigener Leib ist die
Möglichkeit ihres Wirkens, aus sich selbst heraus holen sie alles. Diese
Menschen leben gehetzter und aufreibender wie alle anderen, ihre Existenz
bedingt ein ewiges Hasard, wie die des Spielers, nur dass sie positive Leistungen
daneben noch erübrigen
