, wie die Sachen ... Die meisten waren jetzt religiösen Problemen
ergeben.
    Olga schüttelte den Kopf.
    »Diese Menschen leben doch zumeist von Renten, die ihnen solche, die sich
vom Kampfplatz nicht drückten, - übersenden. Heißt das nicht, sich's recht
bequem machen? Ihr Tauschverkehr, den Sie da schildern, ist meines Erachtens
eine Torheit. Frau Gräser bringt, wie Sie erzählen, dem Zahnarzt Äpfel oder
singt ein Lied als Gegengabe, wenn sie einen Zahn gezogen haben will; wenn der
Zahnarzt darauf eingeht, ist das seine persönliche Kulanz. Logisch und
berechtigt ist der Vorgang nicht, - denn wie, wenn der Zahnarzt keinen Bedarf an
Äpfeln oder an Liedern hat?... Wie kann man leugnen wollen, dass das Geld, diese
universelle Einheit, durch die alle materiellen Werte ausdrückbar sind, das
logischste Medium beim Austausch der Güter ist? - - Oder wenn diese Menschen da
unten alles, was sie brauchen, selbst verfertigen, - welches Dilettieren in
allem Handwerk, welche Vergeudung an Kraft und welcher Missbrauch des Materials!«
    Doktor Emmerich erklärte: »Der Glaube - oder der Wahn - der zu solcher
Sektenbildung führt, - liegt vielen Gemütern gänzlich fern, aber nur mit dem
Gemüte lässt er sich begreifen ... Glauben Sie aber ja nicht, dass ich etwa im
Geiste jener Sekte dort hausen werde«, fuhr er lächelnd fort. - - »Das Plätzchen
ist wundervoll gewählt. Mit den Leutchen da werde ich mich wohl anfreunden - wie
sollten gerade sie den Arzt und Psychologen nicht interessieren, - im übrigen
aber will ich solche Menschen heranziehen, die sich in einem köstlichen Klima,
in einer gutgeführten Anstalt physisch und seelisch erholen wollen; und
besonders zu dieser seelischen Erholung ihnen zu verhelfen, - soll mir am
meisten am Herzen liegen.«
    »Aha, - eine Terapie, deren Kurmittel nicht nur Diät, Wasser, Luft, Sonne,
farbige Bestrahlung, faradische und andere Ströme, sondern auch seelische
Kräftigung umfassen soll, umfasst Ihr Heilprogramm?« bemerkte Stiller mit
gallbitterem Gesicht.
    »Ganz genau das ist es«, meinte Doktor Emmerich ruhig. »Die Zukunft des
Arztes«, fuhr er fort, »begreift auch diese Mission.«
    »Der Arzt als Heiland«, knurrte Stiller ironisch.
    »Nicht gerade als Heiland, aber, sagen wir, als der moderne Stellvertreter
des Priesters, den die heutige Menschheit sehr notwendig hat, - den
Stellvertreter nämlich, nicht den Beamten des Klerus.«
    »Also wieder ein neuer Weg zum Heil«, meinte Stiller. »Hirsebrei,
Obstbaumzucht, Atmungsgymnastik, mystische Übungen und Nacktkultur - das alles
tut's nicht mehr, es muss auch der ärztliche Seel
