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Karoline, sollte ich vormittags sterben, so ist gar kein Grund, dass an dem Tage
nicht ebenso pünktlich gegessen wird wie sonst, sonst wird die Verwirrung nur
erhöht. Nicht wahr, ganz wie auf den großen Passagierdampfern, denen was
zugestoßen ist und auf denen bis zum äußersten Augenblick das Diner regelrecht
serviert wird. Es ist gleichsam das Symbol der moralischen Ordnung.« Der Baron
Buttlär nickte ernst und sagte: »Ja, die Familie überhaupt sei doch die
Grundlage des Staates, die Familie und der Grundbesitz«, und er brachte das
Gespräch allmählich auf Steuern und auf Branntwein. Allein der Geheimrat ging
nicht darauf ein, er wollte heute seinen Erfolg am unteren Ende des Tisches bei
der Jugend haben. Er erzählte Anekdoten und schaute dabei zu den jungen Leuten
hinüber, ob sie auch lachten. Später dann kam er mit seinem Anliegen heraus. Er
wollte morgen ein kleines ländliches Fest feiern und hoffte, die Herrschaften
würden vollzählig dazu erscheinen. »Die Veranlassung dieses Festes«, sagte er,
»ist mein Geburtstag. Na ja, das Älterwerden mag ja seine guten Seiten haben,
aber zum Feiern wäre ja schließlich keine Veranlassung. Diese Welt hier zwar ist
recht fragwürdig, allein besondere Eile herauszukommen hat man nicht, denn
erstens ist das Programm dessen, was nachher kommt, nicht recht klar, und
zweitens bleibt es uns ja ohnehin. Nein, ich feiere das Datum meiner Geburt,
denn das Geborenwerden ist doch der merkwürdigste Augenblick unseres Lebens und
von unübersehbaren Folgen. Sehen Sie, eine Welt ohne Knospelius und eine Welt
mit Knospelius, das ist für mich ein gewaltiger Unterschied.«
    Zufrieden über seine Auseinandersetzung schaute er Nini an, die darüber
errötete.
    »Was Sie da sagen, liebe Exzellenz«, bemerkte die Generalin, »ist gewiss sehr
klug, aber mit der Religion scheint es dabei denn doch auch ein wenig unklar zu
stehen.«
    Knospelius zuckte mit seinen zu hohen Schultern: »Nun, deshalb hat der Staat
mich vielleicht zum Rechnen und nicht zum Predigen eingesetzt. Aber ich komme
auf mein Fest zurück, da ist nämlich ein kleiner Umstand zu erwähnen. Da ist das
Ehepaar Grill. Ich kann es nicht vermeiden, dieses Ehepaar einzuladen. Ich
hoffe, es wird niemanden stören.«
    »Allerdings,« meinte die Baronin Buttlär und zog die Augenbrauen empor,
»dieses Ehepaar scheint für uns unvermeidlich zu sein, unser unvermeidliches
Schicksal.«
    Knospelius lachte. »Schicksal, sehr gut. Nun, diese kleine Frau ist kein
grausames Schicksal. Und dann, wenn wir die Vergangenheit auf sich beruhen
lassen, jetzt sind die Verhältnisse ja korrekt. Sie haben sich in London trauen
lassen.«
    »So? In London«, bemerkte die
