 Platz hat.
Natürlich, das ist es. Du bist doch in mein Leben hereingekommen wie ein Wunder
und noch bist du jeden Augenblick ein unbegreifliches Wunder. Wie soll da etwas
anderes Platz haben. Immerfort ein Wunder zu erleben, strengt an.«
    - »Und glaubst du«, unterbrach ihn Doralice ein wenig gereizt, »es strengt
nicht an, immer, den ganzen Tag, ein Wunder zu sein?«
    Hans lachte gutmütig: »Lass es gut sein, ich gewöhne mich schon an das
Wunder.«
    - »O wirklich, du gewöhnst dich dran«, warf Doralice hin.
    »Sicher,« fuhr Hans fort, »alles, was uns jetzt selbstverständlich scheint,
ist einmal ein Wunder gewesen. Du wirst mir auch selbstverständlich werden.
Warte nur, bis wir in unserer Ordnung sind.«
    Doralice hob ihre Arme hoch über den Kopf empor und streckte sich: »Ach ja,
deine Ordnung, nun also erzähle von deiner Ordnung. Ein Häuschen, nicht wahr,
damit fängt es doch an?«
    »Allerdings ein Häuschen«, begann Hans gereizt, »ein Häuschen irgendwo,
sagen wir in einem Vorort von München, ein Häuschen, das deine eigenste
Schöpfung ist, der Ausdruck deines Wesens, dort waltest du. Mein Atelier ist
natürlich in der Stadt, ich komme zu Mittag heim und du erwartest mich -«
    - »Das weiß ich alles schon«, unterbrach ihn Doralice, »nur möchte ich
wissen, was ich den ganzen Vormittag allein gemacht habe.«
    »Du hast eben deinen Wirkungskreis«, erklärte Hans, »du hast dein Hauswesen,
dem du dein Gepräge gibst.«
    Doralice zuckte mit den Achseln: »Ach Gott, ich kann doch nicht den ganzen
Vormittag allein dasitzen und dem Hauswesen mein Gepräge geben.«
    Hans errötete und machte ein Gesicht, wie jemand, dem es in allen Gliedern
ruckt, weil er einen Knoten nicht aufbringen kann: »Allein, warum allein? Da
werden doch Menschen sein, wir schaffen uns unseren Kreis, unsere Gesellschaft,
wir sind an keine Gesellschaft gebunden, wir sind die Schöpfer unserer
Gesellschaft, das ist es.«
    Doralice richtete sich ein wenig auf und sah Hans an und ihre Augen wurden
groß und bekamen einen hilflosen, angstvollen Ausdruck: »Menschen,« sagte sie
leise, »du weißt doch, ich fürchte mich vor den Menschen.«
    Hans konnte sich vor dem schmerzhaften Mitleid, das diese Augen in ihm
erregten, nur retten, indem er sich in Zorn redete. Er schrie ordentlich:
»Fürchten, das sollst du nicht, das darfst du nicht, wenn ich da bin, das ist
eine Beleidigung für mich, und wir können
