 solche Knöpfe. Aber hier,
lieber Gott, wer sollte sich damit abgeben in einer so großen Stadt. Man müsste
schon eine Freundin haben; Freundinnen sind aber in derselben Lage, und da kommt
es doch darauf hinaus, dass man sich gegenseitig die Kleider schließt. Das ist
lächerlich und erinnert an die Familie, an die man nicht erinnert sein will.
    Es lässt sich ja nicht vermeiden, dass man während des Zeichnens zuweilen
überlegt, ob es nicht doch möglich gewesen wäre zu bleiben. Wenn man hätte fromm
sein können, herzhaft fromm im gleichen Tempo mit den andern. Aber das nahm sich
so unsinnig aus, das gemeinsam zu versuchen. Der Weg ist irgendwie enger
geworden: Familien können nicht mehr zu Gott. Es blieben also nur verschiedene
andere Dinge, die man zur Not teilen konnte. Da kam dann aber, wenn man ehrlich
teilte, so wenig auf den einzelnen, dass es eine Schande war. Und betrog man beim
Teilen, so entstanden Auseinandersetzungen. Nein, es ist wirklich besser zu
zeichnen, gleichviel was. Mit der Zeit stellt sich die Ähnlichkeit schon ein.
Und die Kunst, wenn man sie so allmählich hat, ist doch etwas recht
Beneidenswertes.
    Und über der angestrengten Beschäftigung mit dem, was sie sich vorgenommen
haben, diese jungen Mädchen, kommen sie nicht mehr dazu, aufzusehen. Sie merken
nicht, wie sie bei allem Zeichnen doch nichts tun, als das unabänderliche Leben
in sich unterdrücken, das in diesen gewebten Bildern strahlend vor ihnen
aufgeschlagen ist in seiner unendlichen Unsäglichkeit. Sie wollen es nicht
glauben. Jetzt, da so vieles anders wird, wollen sie sich verändern. Sie sind
ganz nahe daran, sich aufzugeben und so von sich zu denken, wie Männer etwa von
ihnen reden könnten, wenn sie nicht da sind. Das scheint ihnen ihr Fortschritt.
Sie sind fast schon überzeugt, dass man einen Genuss sucht und wieder einen und
einen noch stärkeren Genuss: dass darin das Leben besteht, wenn man es nicht auf
eine albere Art verlieren will. Sie haben schon angefangen, sich umzusehen, zu
suchen; sie, deren Stärke immer darin bestanden hat, gefunden zu werden.
    Das kommt, glaube ich, weil sie müde sind. Sie haben Jahrhunderte lang die
ganze Liebe geleistet, sie haben immer den vollen Dialog gespielt, beide Teile.
Denn der Mann hat nur nachgesprochen und schlecht. Und hat ihnen das Erlernen
schwer gemacht mit seiner Zerstreutheit, mit seiner Nachlässigkeit, mit seiner
Eifersucht, die auch eine Art Nachlässigkeit war. Und sie haben trotzdem
ausgeharrt Tag und Nacht und haben zugenommen an Liebe und Elend. Und aus ihnen
sind, unter dem Druck endloser Nöte, die gewaltigen Liebenden hervorgegangen,
die, während sie
