, als ich an der Wand ein Gestell
voller Bücher bemerkte. Das Fenster führte in den Burghof und war stark
vergittert. »Sogleich wird der Herr sein Nachtmahl erhalten, mag Er inzwischen
das Laboratorium betrachten, es liegt hier nebenan.« Hierauf verließ der Vogt
mein Gemach, nicht ohne es zu verschließen.
    Ich begab mich in das Laboratorium und nahm in der Abenddämmerung seine
Hauptteile wahr. Ein Kreuzgewölbe mit zwo steinernen Säulen. Die vergitterten
Fenster führten zum Burghof. Am einen war ein großer Tisch mit Retorten,
Tiegeln, Phiolen. Längs der Wände gingen Gestelle, und in Büchsen, Kästen,
gläsernen Gefässen waren Minerale und Lösungen. In der Ecke hatte es Mörser
verschiedener Größe.
    Staunend trat ich an den seltsamen Schmelzofen. Aus gebranntem Ton war er
geformt, in Gestalt des biblischen Behemot oder Nilpferdes. Die Feuerung ward
eingeführt durch des Ungeheuers Maul. Auf dem Rücken war eine Stätte für den
großen Kessel. Um sie zu erreichen, musste man mehrere Stufen empor zu einer
gemauerten Erhöhung steigen. Des Tieres Hinterteil ging ins Gemäuer zum
Schornstein. Auffallend war noch, dass zwischen den Nüstern des Behemot der
Buchstabe A, auf der Hüfte aber ein Z stund.
    Wieder in meinem Gemache, erhielt ich Speise und Wein. Dann eröffnete mir
der Burgvogt, er werde mir in all meinen Wünschen gefällig sein, so zur
Beförderung der chymistischen Arbeiten dienen! Meine Wohnung dürfe ich
einstweilen nicht verlassen, später aber zum Lustwandeln den Burghof verwenden,
falls es der Pater Aloisius gestatte.
    Einförmig gingen mir die Tage hin. Ich wusste zunächst nichts anzufangen, als
die Bücherei zu durchstöbern. Fand mehrere Schriften über göttliche Dinge und
menschliche Weisheit. Hinein versunken, fühlte ich mich für Stunden frei, und
die philosophische Materie passte besser für meinen Seelenzustand als das Studium
der Chymisten. Die Goldmacherei war mir dermaßen zuwider, dass ich in den ersten
Wochen das Laboratorium mied. Meinen Vogt, der mich zur Rede stellte, betrog ich
mit der Ausflucht, es tue mir zuvörderst das Studium alchymistischer Bücher not,
deren Rezepte ich später durch die Tat erproben werde.
    Dass in schlaflosen Nächten Gram mich heimsuchte, ist aus der Natur eines
Menschen verständlich, der erst dreiundzwanzig Sommer zählte und die Beraubung
der Freiheit zum allerersten Male empfand. Manchmal hatte ich solch Mitleid mit
mir selbst, dass ich in Tränen ausbrach und, die Hände zusammengekrampft, gen
Himmel flehte, er möge mich doch durch ein Wunder erretten, möge mir einen
Ausweg ins Freie weisen. Allmählich sammelte ich meine inneren Kräfte, dass mir
der Kummer weniger anhaben konnte. Zur Erbauung gereichte mir das Andenken an
Waldhäuser. In tiefer Meditation prüfte ich seine Worte über die geistige
Bedeutung der Alchymie und setzete mir ernstlich für, im Laboratorio meiner
