 am Ringe
die Kraft, das göttliche Licht zu spiegeln und auszustrahlen. So ist der Stein
der Weisen nichts anderes denn die heilige Weisheit im Menschen. Wahrlich, ich
sage dir, nur wer den Stein der Weisen hat, ist echten Goldes Bereiter. Du
machest große Augen, Johannes, möchtest wohl wissen, was für ein Gold ich das
echte heiße. Wohlan, darunter versteht der alchymistische Adept kein irdisch
Metall, sondern etwas Geistliches, wie überhaupt sämtliche Metalle, ihre
Mischungen und Umwandlungen, Gleichnisse für Qualitäten und Vorgänge der Seele
sind. Sobald du dein Auge für das Reich der Sinnbilder aufschleussest, wirst du
seltsame Zusammenhänge und Entsprechungen darin entdecken. Sie haben den Grund
geliefert für alle geheime Wissenschaft, so für die Mysterien der Andacht, auch
für die Sterndeuterei, endlich für die Alchymie. Erinnere dich, dass manche
Sterne den Namen von Gotteiten führen: Jupiter, Mars, Venus und Saturn, der
Sonnengott Sol und die sanfte Luna wurden von den Alten als Götter verehrt. Kein
Wunder, dass man darauf verfiel, zwischen den Herzensqualitäten dieser Götter und
ihren Gestirnen eine heimliche Entsprechung anzunehmen. Von Menschen, zornigen,
herrischen Gemütes, sagte man, sie seien im Zeichen des roten Mars geboren. Den
Abendstern hielt man für eine astralische Macht, von der verliebte Neigung
ausgehet. Nun aber bedenke, dass die Planetennamen auch von Chymikern angewandt
werden, Metall zu bezeichnen: Sol oder sein Symbolum, der Kreis, bedeutet das
gelbstrahlende allerwertvollste Metall; Luna oder eine Mondsichel ist des
Silbers Bezeichnung. Das Eisen heißt Mars als des Kriegsgottes Werkzeug. Venus,
die cyprische Göttin, bedeutet das Kupfer; der trübselige Unglücksstern Saturn
das Blei. Dieser Hinweis nun sei für dich, mein Johannes, ein Schlüssel, das
edle Geheimnis der Alchymie zu eröffnen. Unter den Metallen nämlich nicht minder
wie unter den Sternen werden Eigenschaften des inneren Menschen verstanden. So
ist das Eisen, auch Mars benamset, des Herzens wilder Drang, zu herrschen und zu
kriegen. Das schwerfällige Blei bedeutet niederdrückendes Unheil und Schwermut.
Venus oder das Kupfer ist die Minne, Silber oder Luna Keuschheit und Unschuld.
Das Gold aber bezeichnet das höchste Gut des inneren Menschen, jenen Schatz im
Acker, dem das Himmelreich gleichet. Wenn nun der wahre Alchymist danach
trachtet, aus niederen Metallen höhere zu bereiten, so kommt es ihm nicht darauf
an, den einen Erdenstaub in den andern umzuwandeln, sondern die niederen
Herzensqualitäten zu adligen und in das allerhöchste Gut, in des Herzens Gold,
zu transmutieren. Ich spüre wohl, Johannes, dass meine Lehre dir neben dem
Staunen auch etliche Enttäuschung bereitet. Denn ich kann mir denken, dass ein
unerfahren Kind noch nicht auf den rechten Spürsinn gekommen, so das Köstlichste
zwischen Himmel
