 gab ich meine ganze Seele Herrn
Waldhäuser hin, worauf er: »Es wohnen in dir zween Menschen, Johannes, die
streiten mitsammen. Der eine Mensch trachtet nach Schätzen, so die Motten und
der Rost fressen, und obwohl mir dein Oheim Tobias recht lieb ist, muss ich doch
tadeln, dass er in dir den goldgierigen Menschen grossgezogen hat. Hüte dich vor
dem Dämon, der über dich, wie über Tobiam, schon eine gefährliche Macht gewann.
Rettung findest du bei dem andern Menschen, so heimlich dir im Herzen lebt,
wiewohl, er lange geschlafen hat. Das ist dein besser Selbst, die kostbare
Erbschaft, von deinem Vater empfangen. Martinus Tilesius suchte alleweil mit
seinem unschuldsvollen Herzen ewig Gut. Es dir zu weisen, lieber Johannes, sei
meine Aufgabe, und nichts Geringeres kannst du von mir lernen, als wie jener
Stein der Weisen zu erlangen, so den Adepten zu allen wahren Schätzen leitet.
Ein Alchymist möchtest du sein und gläubest gar, die Goldbereitung sei dir
gelungen. Ich aber sage dir: jenes Gold, so den Bereiter ins Unheil lockt, ist
nicht wert, gesucht zu werden, und kein Schatz, vielmehr des bösen Feindes
Köder. Was würde es dir helfen, wenn du herausbrächtest, was für ein Stoff in
jenem Glase gewesen, wo dein rosenfarben Öl sich bildete? Überlege dir, was du
in deiner jetzigen Verfassung mit dem gewonnenen Golde beginnen würdest? Täte es
dich nicht in deinen alten Torheiten bestärken und vielleicht zu argem Tun
verführen? Gülden lodern die Höllenflammen, und das Gold bereitet denen eine
Hölle auf Erden, so nicht den echten Stein der Weisen haben. Der ist nichts
andres als der Heilige Geist im Menschen. Auf ihn allein kommt es an. Hast du
ihn nicht, so hilft dir kein Gold der Erde, sintemalen du es nicht anzuwenden
verstehst. Hast du aber den Stein der Weisen, so bedarfst du keines Goldhaufens.
Verschmähest es nämlich, deine Staubhülle in Üppigkeit zu betten und durch
dargereichtes Gold Menschenseelen zu knechten und zu verderben. Um froh und
friedlich zu leben, bedarfst du keines andern Gutes als rechter Arbeit.«
    Lange war's her, seit einer so treuherzig und weise zu mir geredet hatte.
Meines seligen Vaters gedacht ich, und voll Zähren stund mir das Auge.
    »Du hast mir erzählt, Johannes«, fuhr Waldhäuser nach einer Pause fort, »es
sei dir beim Schmirsel geglückt, Gold zu bereiten, und ich möchte dir meine
Ansicht darlegen. Ich glaube nicht, dass menschlicher Kunst die Goldmacherei
gelingt, ebensowenig, wie es unser Witz fertig bringt, eine Kornähre
nachzumachen. Kornähren erhalten wir erst dadurch, dass wir sie von der Natur aus
ihrem Samen herauswickeln
