 bin ich ja nur ein Spiegel. So lerne dich selbst erkennen in mir.
Verschmilz das Ferne mit dem Allernächsten, vergiss die trügende Scheidung
zwischen dem Deinen und dem Andern! Besiegelst alsodann für dich den
Friedenspakt der Kreatur mit Gotte - mag auch die verblendete Welt ihres
Streitens kein Ende finden.«
Droben kreist ein Königsaar.
Auf zu ihm ins Blau der Lüfte
Über Tann und Höhlengrüfte!
Himmlische Ferne
Lockt und lächelt wolkenlos klar.
Bist du droben, Heimatland?
Sturm und Woge rauscht hienieden,
Und ein Pilgram seufzt um Frieden,
Weil er die Heimat
Immer nur ahnt - und nirgends fand!
Nur im Traume wird sie sein.
Bette, Fels, dies müde Haupt,
Das enttäuscht noch immer glaubt!
Kehre nun, Seele,
In die Gefilde tief innen ein!
Werde Hauch und Melodie,
Leiser Mondgesang auf Auen,
Sommernächtig Niedertauen!
Bräutliche Blumen
Wecken im Kuss dir fromme Magie.
Dring ins Herz der Kreatur,
Hör aus jeder Tiefe tönen
Heimweh nach dem Allversöhnen!
Heim denn, versöhnt euch!
Gläubig verfolget des Lichtstroms Spur!
Schaut das Gnadenreich enthüllt -
Wo aus Zähren werden Wonnen
Und aus Sündern bunte Sonnen,
Wo sich der Liebe
Zärtlich Schmachten endlos erfüllt. -
Droben kreist ein Königsaar.
Auf zu ihm ins Blau der Lüfte
Über Tann und Höhlengrüfte!
Himmlische Ferne
Lockt und lächelt wolkenlos klar.
    An einem sonnigen Tage Septembris wandelte ich längs des Schwarzen Berges,
über der Schulter einen Sack voll gesammelter Pilze. Bedachte gerade, wie das
menschliche Leben gar so traumhaft sei; sintemalen die Dinge kommen und gehen,
nicht anders denn Traumbilder - unberechenbar, von einer rätselhaften Macht
eingegeben. Bei solchem Sinnen beschlich mich ein bang Gefühl; sagte mir: dein
neues Schicksal ist allbereits unterwegs und lauert im Dunkeln, um plötzlich auf
dich zu stoßen. Wer weiß, was auf einmal hier aus diesen Waldgründen kommen mag.
Da hast du nun endlich deine Ruhe gefunden als ein Eremit; doch eine
auftauchende Veränderung möchte dich vielleicht stören und zu wilder
Leidenschaft hinreißen.
    Während mein Auge starr auf dem entfernten Waldpfade verweilte, sah ich
zween Menschen daher kommen, einen Mann, in der Faust eine Partisane, auf dem
Rücken eine Hucke, hinter ihm ein bäuerlich gekleidet Weib.
    Ich ging ihnen entgegen und bot guten Tag. Freundlich gaben sie den Gruß
zurück. Dann blieb der Mann stehen und sah mich durchdringend an: »Seid Ihr
Herr Johannes, der Buschprediger von der Abendburg?«
    »Der bin ich. Was ist euer Anliegen? So ihr in meine Hütte kommen möchtet,
haben wir ein Stündlein zu gehen.«
    Fragend blickte der Mann auf das Weibsbild und versetzte: »So der Herr
Prädikant erlaubet, lässt sich auch an diesem Orte besprechen, was wir
