 Goldmachen sei dir gelungen, solle jedoch dein
Geheimnis bleiben. Dann bist du die Henne, so güldene Eier legt, man wird dein
Leben hüten, du gackerst und bist Herr der Berge.« Etwas Garstiges lugte aus
diesem Ratschlage, das mich peinigte. Ich starrte auf die rätselvollen
Bildsäulen, der langbärtige König schien mir der Götze Mammon, indessen die
Königin mit sanfter Trauer dreinschaute. Und von dieser Sanftmut ward der gute
Geist in mir angesprochen. »Soll ich den Leuten etwas vorgaukeln?« wandte ich
kleinlaut ein; »das Lichtreich möcht ich doch gründen, da darf ich nicht die
Lüge zum Grundstein machen.« Der Oheim zog die Achseln hoch und spreizte die
Hände: »Geht es etwan anders? Willst du das Reich gründen, so musst du den Leuten
kostbar, unentbehrlich erscheinen. Sprichst du nun, in der Höhle sei ein Schatz
aus alten Zeiten, so wird mancher sagen: Was brauchen wir den Johannes? Ich
selber will des Schatzes genießen! Nein, Kind, für die lautere Wahrheit ist
unsere Welt nicht reif. Die lautere Wahrheit eignet sich wohl nur fürs
Himmelreich. Die Welt will betrogen sein, wie der Lateiner spricht. Buben
scheuchet man mit dem schwarzen Mann. Wer den Zweck will, dem muss auch das
Mittel gelten. Lass dir ja nicht den Reichtum entwinden. Nimm ein Exemplum an
diesem steinernen König. Vermeinest du, der wäre groß worden, hätte er nicht
verstanden, das Heft in Händen zu halten? Siehe doch, wie er so fest sein
Schwert trägt, so sicher, so stark!«
    Unschlüssig blickte ich auf den steinernen Götzen. Der starrte gebieterisch
und kam mir auf einmal vor wie der leibhaftige Höllenfürst. Rollenden Auges
deutete er auf den gleissenden Schatz, aus seinem Schweigen donnerte mir jenes
Wort entgegen, mit dem er den Heiland in der Wüste versucht: »Dies alles will
ich dir geben, so du niederfällst und mich anbetest.« Und eine Macht strömte mir
ins Herz, ich reckte mich, straffte Nacken und Arm, entschlossen, nach des
Oheims Rate zu tun.
    Wohl bedachte ich, dass der Schatz nicht mir, sondern dem Grundherrn gehöre.
Doch der Grundherr war nebst seinen Kindern in der Gewalt von Beutemachern.
Sollte ich denen auch noch den Schatz in die Klauen liefern? Nicht doch! Ich,
den des Himmels Walten zum Entdecker auserkoren, wollte das Gold lieber zur
Verteidigung des Vaterlandes, ja zur Befreiung des gefangenen Grundherrn
verwenden. Hinterher würde Hans Ulrich mich segnen für meine Eigenmächtigkeit. -
Als ich diesen Plan dem Oheim darlegte, stimmte er bei, obwohl zögernd.
    Nun hub eine Zeit wilder Unrast an. Hinweggescheucht war alle Herzensstille.
Wie Wetterodem stürmte es in mir. In
