 Gewisses
auszusagen, sintemalen ich nicht weiß, ob die Geschichte auf Angaben meines
Vaters beruht. Genung, ich will sie hier mitteilen; ob sie wahr, bleibe
dahingestellet.
    Der Narr Michel galt für einen kundigen Astrologen, so die Zukunft des
Menschen aus dem Stand der Sterne berechnen könne. Wie er nun von der »Kunst der
Künste« räsonierete, fuhr Hans Ulrich auf einmal mürrisch dazwischen: »Schweig,
Unglücksrab!« Da die Beisitzenden befremdet stutzten, erklärte sich Hans Ulrich
folgendermaßen: »Dieser Narre, der mit seinem Sterngucken prahlet, hat auch mir
das Horoskop gestellt; und wisst Ihr, was er geweissaget hat? Ich werde
sterben einen gewaltsamen Tod, und zwar am kalten Eisen. Merket wohl, nicht am
heißen Eisen der Feldschlacht, von dem ich gern fallen will als ehrlicher
Soldat; nein, am kalten Eisen, wie es der Scharfrichter schwinget. Pfui, du
grober Michel, deine himmlische Astrologia ist eher ein lausige Zigeunerin.«
    Michel zuckte die Achseln: »Kunst der Menschen kann irren, und ich wäre
frohen Mutes, so ich Ihr Gnaden Nativität als ein Irrender hätte gestellt.
Aber bei Ihr Gnaden Geburt sind Saturnus und Mars ins vierte Haus der Sonnen
eingefahren, und was das nach den Regulis meiner Kunst andeutet, habe ich
aufrichtigen Sinnes bekennet. Doch wir wollen den Himmel fussfällig bitten, dass
er alles zum Besten unseres wertesten Herrn wenden möge.«
    Herr Schaffgotsch blickte unruhig in die Runde, schüttelte das Haupt und
sagte nach etlichem Besinnen: »Ich hätte nimmermehr gedacht, dass unter Deiner
Kappe, so doch viel Witz heget, dergleichen närrische und fanatische Dinge
stecken sollten. Gläubet Er etwan, ein Fernglas zu haben, so ins Kabinett der
göttlichen Geheimnisse eindringet? Wie will Er Beweis und Rechenschaft davor
geben, dass Er Zukünftiges in Wahrheit kann prognostizieren? Wohlan, stellen wir
Seine Sternguckerei auf die Probe ... Heda, Kuchelmeister Jochen, sage mir, ob
im Burgstalle dieser Tage etwas jung geworden, und ob man auch die Stunde seiner
Geburt erfahren kann.«
    »Ja, Euer Gnaden - vor fünf Tagen hat ein Mutterschaf ein Lamm geworfen,
gerade wie man zur Vesper läutete.«
    Da sprach Hans Ulrich lauernden Blickes zu Michel: »Wohlan, so erkunde aus
den Gestirnen, welchen Lebensgang das Lamm haben wird.«
    Der Sterndeuter trachtete mit einer Schelmerei von der Aufgabe loszukommen
und meinte: »Ei ja, stellen wir dem Vieh das Horoskop! Warum soll es nicht
gelingen? Wenn der Herrgott jedes Haar auf unserm Haupte gezählet hat, so wird
er seine Sterne gewisslich angewiesen haben, nicht bloß der hochmütigen
Menschlein Schicksal zu regieren, sondern auch jedem Schäflein, Grashupferlein
oder Flöhlein fürzuschreiben, wie es zu hupfen
