 Weib ergibt sich mir mit Freiheit, und sie
freut sich oder leidet wie ein selbständig freies Wesen, je nachdem unsere
Verbindung Freud oder Leid bringt; dies Weib such' ich zu gewinnen, sobald sie
mein Interesse für sich erregt. Aber den Galeerensklaven von Freiheit und Genuss
zu reden, ist grausam; ein Weib, das in den gewöhnlichen Banden der Gesellschaft
Notwendigkeit sieht, Befriedigung, Genüge findet, in Opposition gegen sie also
zugrunde gehen müsste, ein solches Weib an sich reißen und doch ihre Ansichten
vom bürgerlichen Leben nicht annehmen wollen - das ist Laster. Und in solchem
Falle ist Hippolyt. Die Welt um ihn lebt im rechtlichen Friedenszustande, er
aber zieht umher wie ein ausserrechtlich erobernder Krieger, das ist eine
unverschämte Bevorzugung des Individuums gleich dem Absolutismus, die ich
verabscheue, und doch kann ich mich nicht zu dem philisterhaften Handwerk
entschließen, Alberta, seine sichere Beute, vor dem Unglück, das ihrer harrt, zu
warnen. Weiß ich denn auch, ob das Mädchen nicht glücklich ist, wenn sie nur
eine heiße Stunde unter den Strahlen ihrer Liebessonne ruht? Wie ist sie
glücklich, wenn sie ihn nur sieht, träumerisch geht sie mit uns umher, lächelt
schmerzlich, spricht wenig und ist innig, weich wie ein Blumenblatt. Mit allen
Waffengattungen ist die Liebe in ihr sanftes Herz gezogen und hat alles zum
Kriegsstande ausgerüstet; wenn der Feind der Liebeshindernisse in unseren
Gesprächen zum Vorschein kommt, da hebt sie das schöne Köpfchen plötzlich mutig,
und ihr Türkenbund, den sie um den Kopf trägt, wirft sich in den Nacken, und sie
fordert kühn alle Welt heraus. Alle Scheu ist von ihr gewichen in solchen
Momenten. In einem ähnlichen Gespräche redete ich ihr in diesen Tagen - wir
promenierten in einem entfernten Teile des Gartens - aus vollem Herzen und mit
inniger Überzeugung von der Freiheit jeder Art. Sie horchte mir mit gesenktem
Haupte zu, plötzlich blieb sie stehen, sah mich mit den rührenden Blicken eines
Engels, dem das Gefühl die Brust sprengen will, lange und innig an, fasste auf
einmal mein Gesicht in ihre beiden Hände, legte das Köpfchen auf meine Brust und
sprach: »Sie sind ein guter Mann« - dann flog sie schüchtern wie ein Reh von
dannen. Wenn Hippolyt mit ihr sprach, so schauerte sie in Liebeslust; ich hab'
immer gefürchtet, sie werde ihm einmal öffentlich um den Hals fallen. Graf Fips
lässt immer neue Krawatten und Fracks aus der Stadt kommen, ich glaube aber, er
fängt allmählich an zu verzweifeln, wenigstens spricht er schon sehr lange von
der Abreise. Er ist in einer sehr üblen Stellung, und ich bewundere aufrichtig
die Schafsgeduld dieses Menschen, dies Treiben mehrere Wochen mit anzusehen. Uns
bürgerliches Pack
