; er
kostet das kleinste Lied durch und durch und hat wirklich ein so ausgebildetes
Gefühl dafür, dass ihm nicht die kleinste Andeutung oder Beziehung entgeht. Dies
ist denn auch das schöne Band, welches ihm seine Tochter fest am Herzen erhält.
Ich glaube wirklich nicht, dass er ihrer Neigung nur im entferntesten in den Weg
treten würde, sie müsste denn auf einen ganz veralteten jungen Mann fallen. Aber
ich habe nichts als Besorgnis mit der schönen Alberta. Seit einiger Zeit neigte
sie sich offenbar mit großer Vorliebe zum altertümlichen William, diesem
altenglischen Stockjobber, wie Ihr ihn zu nennen beliebt. Ich glaube, sein
gläubiges Christentum fesselte die weiche furchtsame Seele. Da kam Hippolyt, das
reizende böse Geschick der Weiber, und nun ist die Verwirrung vollständig. Es
ist eine sehr schlimme Sache mit Hippolyt. Wie oft hab' ich es ihm vorgestellt,
dass es gar kein Rechtsverhältnis sei, in das er sich Frauenzimmern gegenüber
begebe. Er geht jede Verbindung ein, ohne von seiner Seite auch nur irgend etwas
anderes zu gewähren, als dass er genießt, solange es seine Laune so will. Auf
meinen ernsten Tadel und meine ebenso ernste Versicherung, dass ich ihn
einsperren lassen würde, hätte ich Gewalt über ihn, erwiderte er lachend, dass er
nie von einem Frauenzimmer Liebe verlangt, noch irgendeiner mehr als
augenblickliche Neigung versprochen habe. Es sei ein rechtliches
Kontraktsverhältnis; dass man von der anderen Seite oft mehr präsumiere, wäre
nicht seine Schuld. Was soll ich mit ihm anfangen? Soll ich ihn der Polizei
anzeigen? Die betrachtet bloß die moralisch Buckligen, Lahmen usw.; sie ist nur
für äußere Übel da, die jeder andere Mensch auch sieht; soll ich ihm
unaufhörlich Steckbriefe schreiben und seine Umgebungen vor ihm warnen, wie ein
Gendarm mit blanker Klinge neben ihm herreiten? Wenn ich ihn nur überzeugen
könnte, dass er unter unseren bürgerlichen Konstellationen unrecht habe, dass man
dem Verbande einer Gesellschaft vielerlei, so auch dieses zum Opfer bringen
müsste. Solange das Verhältnis zwischen Mann und Weih noch nicht anders geordnet
ist als wie jetzt in das traurige Einmaleins der Ehe, solange erfordert die
Verpflichtung gegen die neben mir Stehenden meine Aufmerksamkeit, Schonung,
Vorsicht, ja Entsagung; Hippolyt kennt aber nur Verpflichtungen gegen sich,
darum ist er eigentlich für keinen zivilisierten Staat zu brauchen. Die
persönliche Freiheit ist bei meiner Theorie durchaus nicht gefährdet, aber die
Freiheit sieht, nur die Schrankenlosigkeit ist blind. Das Weib, das gleich mir
die Ehe nur für eine Krücke der tausend Schwachen, nur für ein leider noch immer
notwendiges Hilfsmittel der Gesellschaft ansieht, das Weib, das sich stark genug
fühlt, die äußeren Nachteile der Gesellschaft zu ertragen, sobald diese den
Betrug gegen sich entdeckt - dies
