 nicht den Reichtum des Südens darin, denn natürlich drängt dort das
Klima mehr dazu; ich verlange nur das Aneignen des reinigenden Elements. Die
üppigen Termen der Griechen und Römer bekunden heut' noch in ihren Trümmern,
welchen Wert man auf diese Sitte gelegt. Geist und Gemüt entfalten sich
behaglicher in einem Leibe, der aus dem Bade steigt, eine reinere frischere
Sinnlichkeit hüpft durch die erregten Adern - aus dem Meere hoben die Griechen
ihre Liebesgöttin, die strahlende Aphrodite. Das Wasser ist ein geistigeres
Element als die Erde, man fühlt sich höher, edler, wenn man die Glieder aus den
Fluten hebt. Darum lob' ich die mehr und mehr überhandnehmenden Schwimmanstalten
in Deutschland. Die Polizei sollte an den Toren darauf sehen, dass die
Einpassierenden erst in den Fluss gingen, ehe sie in die Stadt kämen; statt die
im Zimmer verkümmernden deutschen Bürger allsonntäglich wie die Herde zum
nutzlosen Geschwätz eines Pfaffen zu schicken, würd' ich sie ins Wasser jagen,
damit sie die trägen Flügel schütteln lernten wie die Vögel, die sich auch
baden, obwohl sie in reinerem Elemente verkehren als wir. Deutschland hat die
gründlichste Ästetik ediert, und die Ästetiker holen die Regeln aus dem
Bücherstaube und schreiben ungewaschen über Schönheit. Es hat mir den Anblick
manches zärtlichen Liebespaares verleidet, wenn ich daran dachte, dass beide vom
Baden nichts wüssten. Man soll den Körper pflegen wie die Frucht, deren Saft
unsere physischen und geistigen Teile stärkt und nährt. Deutschland geh' ins
Bad.
                                                          In der Mitte des Juli.
Das Papier ist gelb geworden; ich habe das Schreiben lang liegen lassen. Du
weißt, dass ich immer das künstliche Leben dem natürlichen nachsetze. Es gibt
aber hier viel zu leben. Davon will ich Dir später erzählen; erst rasch meine
Geschichte bis zur Ankunft auf Grünschloss beendigen. Wenn ich auch an den
Bildern mehrerer Jahre vorübergehe, Konstantie bleibt das schönste Weib, das ich
gesehen. Linie, Muskel, Form, Auge, Wort, Geist, Gefühl - alles ist straff an
ihr; sie ist der Gedanke eines Mannes, der weibliche Form gefunden. Es hat mich
nie ein Weib mit solcher Energie umarmt und geliebt als Konstantie in jener
Nacht. Ich liebe diese Kraft am Weibe über alles; das Weiche, Vergehende,
Ergebene gewährt mir zu wenig Widerstand. Ich gehe noch einen Schritt weiter als
Valerius, der ebenfalls Kraft und Stärke des Weibes bevorzugt, ich liebe sogar
die Strenge der Form, des Geistes und des Gemüts. Vielleicht sind solche Weiber
der Übergang zur griechischen Knabenliebe. Als Konstantie des Morgens erwachte,
war nichts von jener Scham, welche der Tag so oft über die Freuden solcher
Nächte gießt, an ihr zu entdecken; sie umarmte mich beim Tageslichte so
