, Gegenliebe zu
verlangen.
    »Das sind wunderliche Dinge« - entgegnete die Fürstin - »ich glaube aber
nicht, dass Sie zu den Sklaven gehören.« - dabei reichte sie mir die schönste
Hand, welche ich je gesehen, zum Kusse. Ich küsste sie ihr lachend mit warmen
Lippen, und da sie mit dem Zurückziehen nicht eilte, so eilte ich nicht mit dem
Zurücklassen. Ich sprach noch viel mit erhöhter Wärme über Poesie und Weiber.
Meine Dame ward auch bewegter, zog einmal ihre Hand weg, nannte meine Theorien
männerfrech, ließ mich später die Fingerspitzen wieder ergreifen, schwieg lange,
sah mich forschend, durchdringend an, stand dann plötzlich auf, strich mir wie
Adelheid in Goethes Götz dem Franz über das Gesicht und erlaubte mir, den andern
Tag wiederzukommen und ihr Gedichte mitzubringen.
    Ich war in einer Art Sinnlichkeitsrausch. Wenn Du Dich darüber wunderst, so
hab' ich Dir nicht genug von der Schönheit des Weibes, nicht genug von dem stolz
einhergehenden und doch von Bewegung immer in die Knie sinkenden Trotze ihres
Wesens gesagt, das unwiderstehlich reizte. Eine stolze Blume, die sich des
feuchten Taus nicht erwehren kann, der ihre Blätter, die Augenlider, erweicht
und das Haupt beugt. Rechne dazu die reizendste, reichste Umgebung, welche der
trägsten Phantasie schwellende Polster unterschob. Glaube ja nicht, dass die
äußeren Umstände ohne großen Einfluss seien. Wer unter den gewöhnlichen engen
bürgerlichen Verhältnissen, wo das Philisterhafte der Frau Mutter oder Frau
Muhme mit beobachtet sein will, frei, mild, stark lieben will, muss einen viel
größeren Grad von Freiheit und Stärke entwickeln, als wer eine Fürstin in
goldenen Zimmern findet, wo auch die leiseste Störung scheu nicht in die Nähe zu
treten wagt. Nur die sentimentale, eine Jugendliebe, die Raserei der Liebe
wächst unter erschwerenden Umgebungen - die Romanschreiber, die den Satz überall
gelten lassen, verstehen nichts davon. Wie käme jeder arme Novellist in seiner
kleinen Bürgerstadt mit seinen paar Papiertalern Honorar in Kreise, wo die
Spirallinien des Wunsches in weiten freien Bogen springen! Dass so wenige von den
äußerlich Begünstigten Romane schreiben, dass diese freieste schönste
Dichtungsart so fast lediglich den armen Teufeln überlassen ist, bringt soviel
Jämmerlichkeit, zusammengeschnürte Herzen in unsere Poesie. - Es ist ein ander
Ding, dass die Liebe durch Hindernisse wachse - wer möchte das leugnen, aber der
Feind muss des Kampfes wert, der Feind muss gewaltig die höheren Tätigkeiten
aufregend sein, - wer und was ist denn aber der gewöhnliche Feind Eurer
Liebschaften? Ein kleines Kastenherz, das die lebendigsten Pulsschläge als zu
kühn und illegitim fürchtet, jämmerliche Furcht vor einigen herkömmlichen
Rücksichten, die nicht erlaubt glücklich zu sein, weil's tausend andere Hasen
nicht gewesen sind,
