 da, wenn es eben recht aufgeräumt im Kopfe
ist, ein Sonett und sende es der Liebsten. - Das Sonett ist ein Weib, dies wird
sich dessen freuen, es ist ihr ein Spiegel eigener schöner Zusammenstimmung,
wenn das Weib anders eben Musik in sich hat. Ein Dichter, der nur Sonette macht,
ist ein weibischer Mann aus unserer Teetassenzeit. Sonette können schon wegen
der Schwierigkeiten nichts als der Schaum unserer inneren Wogen sein, das
Eigentliche liegt auf dem Grunde, und wenn es heraufkommt, so ist es das
Einfache, der Urvers, der sich in der poetischen Prosa oder dem klaren Jambus
ausspricht.
    Dass ich nicht ins Theater gehen kann, tut mir leid. Bei dieser schalen
mageren Welt seh' ich gern die phantastische Tätigkeit des Traums. Was mir
Valerius einst über Nationalität als Hebel der - namentlich der dramatischen
Poesie sagte, stimmte mit meinen Ansichten überein. Ich glaube aber, dass alle
Nationalität nach und nach verschwinden wird und dass dies ganz notwendig im
Gange der Weltgeschichte liegt. Ich glaube nämlich an eine dereinstige
Universalrepublik so fest wie an meine Fähigkeit, ein Glas an den Mund zu
führen. Es wird und muss sich eine neue Zeit bilden, wir leben freilich in
keiner, sondern in dem Zwischenraume auf der Brücke zweier Zeiten.
Individualitäten, plastische Figuren, mit einem Worte, Helden verschwinden, und
an die Stelle der Helden tritt die Meinung. Wir bereiten den Stoff zu einer
neuen Ära der Poesie, welcher der voreilende Jean Paul teilweise schon angehört.
In dieser neuen Weise können wir noch nicht schreiten, weil sie erst die Hälfte
ihres Körpers aus dem Mutterleibe der kreisenden Weltgeschichte hervorstreckt;
die alte Weise kann uns aber nicht mehr genügen, eben weil die Ahnung der neuen
schon in uns vorhanden ist. Daher finden wir von allen Arten der Poesie die
meiste Befriedigung in der Musik, weil sie der Ausdruck halbbewusster Gefühle
ist. - Nenne dies »Fieberphantasie eines tauben Musikers.«
    Dieser Schuft von Diener aus der Gesandtschaft hat eine Spürnase wie ein
Jagdhund und mich wirklich ausgeschnüffelt - keuchend kam er eben auf meiner
Höhe an, und brachte mir die verbindlichste und dringendste Einladung. Man habe
mir vielerlei mitzuteilen. Mantel, schütze mich vor Blössen! »Menschenrecht«,
wahre meine Freiheit - in dies dumme Zeug hat mich Valers besorgliche
Gutmütigkeit wahrscheinlich gestürzt. Bitte ihn doch, dass er die Leute
unterrichten lässt, ich sei ein Taugenichts. Dann lassen sie mich hoffentlich in
Ruhe. Ich räusperte mich und hielt dem Diener eine jakobinische Standrede.
Erstens bedeutete ich ihm, dass mein Name Müller, einfach Müller, Stadtmusikus
Müller sei, mein Vater heiße von Müller, ich aber nicht - das von sei überhaupt
nicht mehr Mode, und die Mode sei
