 in neue Zustände, wenn der Leib ausgespannt wird für immer.
Was von Gott in uns war, jauchzte sich dann geläutert entgegen. Hippolyt, ach,
ich kann's nicht in Worte ordnen - stirb wohl!
 
                           16. Margarita an Valerius.
                                                                        Neuyork.
Ich habe keinen Auftrag, Ihnen die nachfolgenden Papierstücke Hippolyts zu
senden, aber ich weiß, dass er Sie stets seinen einzigen Freund auf der Welt
genannt hat, ich gebe sie auf das Schiff. Sind die Wellen nicht lüstern danach,
so nehmen Sie diese Schlussworte eines gewaltigen Menschen freundlich auf.
    »Fürchterliche Enttäuschung! O fürchterlich! Mache starr meine Faust, Pluto,
dass ich dieses Fratzenbild einer neuen Welt in Scherben schlage. Die Freiheit
hofft' ich zu finden, und finde die bettelhafteste Armut, und neben ihr noch
alle Frechheit der Armut. Gold haben sie und suchen sie, aber kein Leben; allen
Reichtum des Menschen, seine Lust, seine Klage, sein Sehnen, seinen Feind, sein
ewiges Herz, seine schaukelnden Gedanken, seine Titanengedanken, seine Wollust,
seine Verzweiflung, den ganzen Roman des Menschen, um den allein es sich lohnt,
morgens aufzustehen, abends sich niederzulegen, alles das haben sie jenseits des
Meeres gelassen, davon sind sie frei, das ist ihre Freiheit. Auch das Tier ist
frei von menschlicher Sorge - o!«
    »Jetzt fühle ich, was Tod heißt, zum ersten Male in meinem Leben, es ist ein
giftiger Reif auf mein Auge, auf mein Herz gefallen, mein innerster Kern löst
sich gähnend in Stücke, ich bin träumerisch, melancholisch, ich schreibe auf
einzelne Papierstreifen, ich fliehe die Menschen und suche die Bücher, ich liege
im verschlossenen Zimmer, und fürchte die Natur; vor dem Meere zittere ich. Ich
zittere, ich, Hippolyt - die Spiegel habe ich zugehängt, um nicht zu sehen, wie
ich vor mir selbst erröte.«
    »Der Kerl, welcher mir die Stiefel putzt, ein plumper, einfältiger Kerl,
will behandelt sein wie ein Seigneur - wohl hattest Du recht, Valerius, die
gleiche Berechtigung haben sie verleumdet, indem sie die Gleichheit daraus
machten. Und diese Schwarzen! O frecher Frevel mit der Freiheit! Als wenn die
Bedienten Europas sich Geld gespart und sich einen Staat errichtet hätten! Was
nicht auch Bedienter gewesen ist, heißt Aristokrat, wessen Antlitz anders
gefärbt ist, der heißt Hund, wird mit Füßen getreten, zertreten. Alle Prosa
Europas ist hier zur Herrschaft gediehen; ich ersticke hier.«
    »Keine Geschichte, keine freie Wissenschaft, keine freie Kunst! Freier
Handel ist die ganze Freiheit, ein Gott von Pappe, in allerlei kleinen
Buchbinderausgaben, ein Gott, dem man keinen Geschmack zutraut,
