 forderndem, ein trotziger ist dasjenige, was die Griechen im Prometeus
zusammendichten - aber jener Sultan ist mir recht. Hat man sich einen Gott
charakteristisch gebildet und angekleidet, dann soll ihm auch kein Stäubchen
vorenthalten sein.
    Aber Euer Glaube ist nicht gefasst, nicht geschlossen, schweift in
Erklärungen - was ist ein Glaube, der erklärt wird! Und dazu mögt Ihr Euch noch
wundern, dass eine Zeit in Verwirrung umhergeworfen sei, die weder eine
klassische Religion, noch eben darum einen klassischen Staat, noch eine
klassische Poesie hat! Für meinen Blick gibt es nur zwei Seiten des Menschen,
die Pole des Herzens, und darum zwei Ströme der Welt, um welche sich alles
bewegt. Das ist die Selbstsucht und die Selbstaufopferung. Jene hat das
ungeheure Altertum geschaffen, diese ist mit dem Christentume eingetreten und
hat beinahe zweitausend Jahre Geschichte erzeugt. Gegen sie hat sich ein
dreister, neuer Geist erhoben, der halb von ihr, halb vom Altertume stammt,
Philosophien haben sich gebildet, die auf eigenem Fuße sich erheben, und eine
Selbständigkeit neben der positiven Religion, in Anspruch nehmen, als
selbständige Staaten mit ihr unterhandeln. Jede solche Philosophie ist
unchristlich, auch wenn sie zu christlichen Resultaten kommt. Durch sie ist der
Weltgedanke einer durchgehenden Selbstaufopferung erschüttert und nun mordet
sich die Größe des andern Prinzips, der Selbstsucht, wieder heraus, um neues
Element zu bringen, und vielleicht ein neues Dritte zu erzeugen, und dieser
Kampf ist unsere klägliche Zeit. Um so kläglicher, da niemand mit der geteilten
Wahrheit seines Herzens offen herausgeht, jeder ein Geordnetes lügt, um sich
selbst zu beschönigen. So seid Ihr alle beschränkte Menschen, weil Ihr furchtsam
oder frech abteilt, Euer Herz hat keinen Mut gegen Euer Gedächtnis, die Besseren
halten zurück wegen der Gesellschaft, und darüber verlieren sie ihr Wahres und
Großes; ich will mich aber nicht beschränken, darum werde ich ein Gott oder ein
Ungeheuer.
    Da meine Geduld und meine Kraft schwindet, so wird wohl ein Ungeheuer
entstehen, Du magst recht haben.
    Herrschen, herrschen! um dies eine Wort tobt aller Kampf der Welt. Ich
wollte lieber ein Meer sein, als ein so großer Ohnmacht sich bewusster Mensch;
das Meer in seiner weiten Macht bäumt sich gegen eindringende Gewalten, heulend
und schüttelnd ringt es mit dem Sturme, sich zerschellend stürzt es an das
Gestein des Landes. Ich aber liege kraftlos auf Brettern und Balken, und wo ich
sei, ich bin preisgegeben.
 
                           15. Valerius an Hippolyt.
Du gehst zu Grabe, Du gehst zu Grabe, Genosse meiner Jugendzeit! Du hast Dich
allein in den Ozean geworfen, Dein Arm ist stark, Deine Kraft ist groß, aber
wenn der Mensch allein mit den Elementen ringen will,
