 suchten, wo Ihr nicht wart, wo Eure Welt nicht war? Wenn
sie idealisierten, eine poetische Welt erfanden, und Euch darauf
Abonnementsbilletts verschaften? Ihr verderbt für Eure Zivilisation so viel
Klugheit, dass Ihr Euch selbst in Euren Lumpen nicht mehr erkennt. »Fresst Staub,
wie eure Muhme, die Schlange!«
    Darum habt Ihr soviel Verbrechen in Eurer Welt, wie in der Erziehung eines
höflichen Kaufmannssohnes alles verboten ist, und nur einzelnes ausnahmsweise
erlaubt wird. Was wisst Ihr vom Verbrechen! Wenn wir dessen nicht mehr fähig
sind, so hören wir auf, Menschen zu sein, werden Zahlen und Begriffe. In jedem
Menschen liegt jedes Verbrechen, oder er ist kein vollständiger Mensch. Was
erreicht Ihr nun mit Eurem Katechismus? Das Verbrechen flüchtet sich in Eure
Tugend, denn die Fähigkeit des Verbrechens ist die Urkraft, welche Eure
Gleichmacherei nicht leiten und richten, sondern töten will; das vermögt Ihr
nicht, denn Ihr bleibt stärker, göttlicher als Ihr es wollt und begreift, die
geknebelte Urkraft äußert sich nun gewaltsam, sie wird darum Verbrechen, sie
wird Verbrechen, auch wenn sie zufällig in Euer Gesetz flüchtet, der streng
Tugendhafte ist ein Verbrecher der Tugend und richtet mit der Tugend sein Unheil
an.
    Das geschieht, weil Ihr aus den ungeheuren Kräften des Alls lauter kleine
Dorfschulmeister machen wollt. Ich habe manch sanftes und gutes Pferd gesehen,
das störrisch und schlecht wurde nach wenig Wochen unter Hand und Schenkel eines
pedantischen, hart-dogmatischen Reiters. So trenset und kandaret Ihr Euch eine
verbrecherische Tugend zurecht.
    Ich hab's beschlossen, mein Fuß betritt den Boden Europas nicht mehr;
gefallen mir die Yankees nicht, so geh' ich zu den Rotäuten der Wälder, dort
wird es mir wohlgefallen. Sie haben wenig Kultur, aber darum auch wenig
Verdorbene.
    Nachts, wenn ich auf dem Verdeck umhergehe, schleicht hinter mir, vor mir,
neben mir eine verhüllte Gestalt - ich habe nie begriffen, was Ihr mit dem Worte
»unheimlich« ausdrückt, jetzt empfinde ich's; ich muss mir das vom Halse
schaffen! Sie schleicht leise, fast unhörbar, dennoch erinnert sie mich an den
ehernen Tritt des Komturs im Don Juan.
    Es sind einige deutsche Auswanderer auf dem Schiffe; warum wandern sie aus?
Lieber Gott, weil sie zuviel Kinder für den kleinen Acker haben. Über dies Abc
der Staatsnot lässt sich nichts sagen; aber es sind, auch einige Robespierrianer
mit uns, was wollen diese aus der Welt machen? Es ist ihnen nicht genug, dass
gleichgemacht wird, es soll auch gleichgeschlagen werden: das Bäumchen, das
etwas größer, der Strauch, welcher etwas niedriger ist, als man's eben beliebt,
das soll vertilgt
