; Du vereinsamst Dich für Deine Lust, und so wirst Du
auch vereinsamt und vogelfrei für jeden Schützen, der auf Dich zielen will, so
vereinsamst Du Dich auch zum Tode. Fahre wohl! Ich sehe Dich einsam erschlagen
am Meeresstrande eines fernen Weltteils liegen; Deine zornige Seele ringt sich
mühevoll vom starken, widerspenstigen Leibe und stürzt drohend ins All hinaus,
um ihre Verbindung mit der Gottheit zu suchen, ihre unmittelbare Verbindung.
Armer Hippolytos! Das ist eben der tragische Mensch, dass er nur mittelbar der
Gottheit sich bemächtigen kann, und es ist wenig Aussicht vorhanden, dass die
Unmittelbarkeit gleich nach diesem Leben eintreten werde! Armer Hippolytos!
    Jawohl, jawohl, wir haben uns einst alle erhoben für die Freiheit, aber die
Freiheit für Zivilisierte ist nur ein freies Gesetz; ja wohl haben wir uns
erhoben für den wahrhaften, echten Verkehr zwischen den Geschlechtern und gegen
die lügenhafte Ehe, aber nur gegen die lügenhafte; wo in Wahrheit zwei Wesen in
eines aufgehen, da ist eine Erfüllung des Menschentums gewonnen. Was mir eine
Geliebte zurief, das bezeichnet für mich den wahren Standpunkt, sie sagte, den
verehelichten Personen gelte der Kampf, nicht der Ehe.
    Haltet die Ehe offen, wie der Herr des Himmels seine Hand offen erhält für
den wahrhaft notwendigen Wechsel der irdischen Welt, den Wechsel von Tag zu
Nacht, von Schnee zu Blumen; schüttelt die Personen, welche durch Lüge mit dem
Institute Frevel treiben, schützet diejenigen, welche von der Unwahrheit einer
Verbindung gefesselt und zertrümmert werden, kämpft gegen und für die
Verehelichten, haltet die Tür der Erfindung offen, doch vermengt damit nicht die
Ehe selbst.
    Aber, ist Dein Verhältnis zum Weibe etwas anderes als ein Krieg, ein
Raubzug? Soll ihn das Weib guteissen, kann ihn der Mann loben? Du willst vom
Weibe nur die Lust; das Weib kann aber auch ein Herz geben, eine Ewigkeit darin,
und vergleichen willst Du nicht, weil Du's nicht brauchen kannst; Du vernichtest
also das Weib.
    Fahre wohl! Der Schrecken wird Dich ereilen in der freien Welt Amerikas.
Dort ist die Freiheit ein Rechenexempel, und ein schlimmeres als das, um
deswillen Du Europa fliehst. In einer durchwirkten alten Welt sind die Zahlen,
dieser unpoetische Behelf, abgestumpft, und die Mannigfaltigkeit entschädigt für
einzelnes Missfällige - dort drüben in der amerikanischen Anfänglichkeit stehen
sie noch nackt und einzeln da wie ein Pfahlwerk, das die Zeit überkleiden soll,
und an diesem Pfahlwerke wirst Du gespiesst. Ein Rechenexempel, ein Pfahlwerk der
Freiheit ist dem poetischen Gelüste viel unerträglicher als eine bekleidete, mit
geschichtlichem Moos bewachsene Untertänigkeit; der bloße Begriff ist ein
Rezept, die Gewohnheit aber ist eine Speise, und Speise braucht der Mensch.
