 wackere Lichtblaue hat Wort gehalten. Wir sind sogleich zu Véry gegangen und
haben gut gespeist, dann haben wir mein Manuskript in die Druckerei seiner
Gesellschaft gebracht, dann bin ich nach meiner Frau ausgewesen. Jener Verwandte
war bei ihr und wollte mich eine Zeitlang nicht ins Zimmer lassen - unsere Ehe
ist noch ein Geheimnis. Lilli war sehr aufgeräumt, obwohl sie mir zu erzählen
hatte, dass sie um ihre Güter in der Champagne betrogen sei. Sie hat keine
Vorurteile und hat sogleich ihre Fähigkeiten und Kenntnisse in Kontribution
gesetzt: sie tanzt und singt an einer scharmanten Bühne und gefällt sehr. Der
Lichtblaue und ich, wir machen Proselyten unter dem Personal.
                                                                         Später.
Lilli hat vollkommen recht: sie sagt, das Geld sei unter Liebenden eine
Nebensache, aber wenn die Liebenden in der großen Welt lebten, so sei es keine
Nebensache, und ich müsste mit meinen Talenten auch etwas verdienen. Sie hat mir
mit ihrem Verwandten, welcher der vortrefflichste Pierrot von der Welt ist,
Unterricht gegeben, und ich wirke jetzt schon ganz leidlich als kleiner
Harlekin. Der Himmelblaue sagt, in dieser Weise könnte meine Einwirkung auf das
Personal immer intimer werden. Meine Gage ist noch klein, aber der Direktor
meint, wenn ich so fortstrebte, würde sie wachsen. Sobald mein Musikhimmel in
Lettern steht, sende ich Dir ein Exemplar, die Druckerei scheint sehr langsam zu
arbeiten. Ich lege Dir ein Rezept bei zu Kotelettes à la Dejanira, sie sind eine
superbe Speise; denke dabei an mich. Adieu, millionen-, myriadenmal Adieu!
 
                           12. Hippolyt an Valerius.
Sie haben hier in England so starre Gesetze der Religion und Moral, dass die
Ausnahmen nirgends besser schmecken; und das junge Geschlecht ist hungrig und
durstig; das Gesetz ist einmal der Tod für alle Jugend; wenn die Wildheit Gesetz
wäre, ich glaube, wir lebten dann des Gesetzes wegen zahm.
    Unter dem Kreise, mit welchem ich mich in Tollheit herumbewege, zeichnet
sich mir ein Lord Henry aus, von dessen Landsitz ich Dir schreibe. Wir sind zur
Jagd hier und zum Ausruhen von den Mühen des Vergnügens - über die saftgrünen
weiten Hügelflächen jagen wir hin mit dem Morgenwinde, welcher den Nebel jagt,
die langgestreckten Pferde weifen dahin, als hätten sie Atem und Kraft der
Götter; das Wort Gefahr spricht niemand aus; wer stürzt, möge sich helfen, der
Jockei und die Hunde wissen auch nichts davon. Der Körper streckt sich und
prustet Frische in diesem zehrenden Klima, die Leiber sind hier lang
aufgeschossen, die Hautfarbe ist klar und fein und rot behaucht, und es ist zum
ersten Male, dass mir diese weißen Menschen nicht unkräftig erscheinen.
    Lord Henry ist solch ein langer schmaler Engländer mit schweigendem länglich
englischem
