 löst das
Rätsel noch keineswegs. Es muss noch irgend ein Mysterium der Reife darunter
verborgen liegen. Ich gehöre doch eigentlich nicht mehr zu den jungen Burschen,
und ich kann mich eines großen Interesses für die schöne Frau van Waelen nicht
erwehren, obwohl ich Margareten schöner und liebenswürdiger finde. Dieses
wunderliche Verhältnis hat auch alle meine Bewerbungen gelähmt, die zweifellose
Einheit und Ganzheit meiner früheren Wünsche ist dadurch gelähmt, und sie war's,
welche mir immer die Kraft und Zuversicht des Gelingens einflößte. Ich verliere
meinen Charakter in diesem Zustande und mit ihm mein Heil, denn dies beruht
immer in dem Gleichartigen zwischen unserem Charakter und der daraus fließenden
Handlung und Folge.
    Nur wenn ich mich recht geläutert und hoch gestimmt fühle, da siegt
Margaretens poetisches Jugendwesen völlig. Und so war's an jenem Abende.
    Du hast noch kein Bild von ihr, ich wurde damals in der Beschreibung
gestört. Sie ist hoch und schlank - was könnte auch eine der gewöhnlichen,
zusammengedrückten Figuren für ein Interesse erregen! Der Wuchs ist die
Freiheit, ist die Idee des Körpers, er macht aus dem Leibe die schöne Säule,
welche in weichen, runden Begrenzungen ringsum und aufwärts nach Luft und Himmel
strebt. Und nun sind alle Formen Margaretens, die Schultern, die Hüften und was
sonst nach außen strebt, erst so fein, jugendlich, ich möchte sagen unschuldig
gerundet, es ist noch keine Spur zu sehen, dass sie einst ebenso überreif, stark,
überfüllt aussehen werden, wie dies leicht bei Weibern von üppiger Vegetation
eintritt; es ist über das ganze Mädchen noch jener lockende Höhenduft des
Lebensmorgens ausgegossen, wie man ihn auf fernen, ersehnten Bergen liegen
sieht, dass ich dies süße Kind nur mit einer wohltuenden Sehnsucht erblicken
kann, mit einer Sehnsucht von so wunderlichem Gemisch, wie sie mir eigentlich
fremd ist. Von jenem keuschen, unschuldsvollen Elemente, das die Deutschen oft
im Munde führen und das auch gewiss nur echt germanisch ist, mag etwas dabei
sein; von meinen innigen, tiefen Liebesgedanken zu meinem gestorbenen Engel
Desdemona regt sich auch wohl etwas in mir, wenn mich Margareta mit ihren
dunkelblauen Augen vertrauensvoll anblickt. Aber es sind doch alles dies nur
Teile und Anfänge, das unwiderstehliche Etwas, welches keine Wahl mehr überlässt,
jenes psychische Mysterium der Liebe fehlt noch. Und so ist es immer nur ein
beglückendes Wohlbehagen, das ich an der Seite des Mädchens empfinde, aber wenn
ich mich ihm eine Stunde hingebe, dann sehe ich recht, wie dem Kinde die Flügel
wachsen, und es wird das blaue Auge glänzender und Wort und Wesen kühner, ich
bemerke ein Wetterleuchten an unserem Horizonte und ich glaube manchmal, über
kurz oder lang ist das Gewitter da und der Blitzstrahl, dem
