 sie werden zermalmt unter einer großen
historischen Kombination. Von Zeit zu Zeit wird die Welt verjüngt durch frische,
von aller Kultur unberührte Völker. So kamen einst die Römer gegen die Griechen
auf, die Germanen gegen die Römer. Die asiatischen Slawen haben ihre Zeit noch
nicht gefunden, vielleicht finden sie selbige nie, sie scheinen unschöpferisch,
in der Einzelheit unbegabt; vielleicht bilden sie doch einst ein neues großes
Element der Weltgeschichte. Aber ihre Vorposten sind sicher verloren, wie es
einst den Vandalen, den Alanen, selbst den Hauptstämmen der Goten ergangen ist:
der Wende, der Obotrite, Wilze, Leche ist früh zertreten worden, der Böhme und
Mähre ist langsam aufgezehrt in germanischem Wesen, der Pole ist tief angesteckt
von alt- und neueuropäischen Verlangnissen, Ideenrichtungen, er will sogar
nichts Eigenes mehr als einen Namen, er verlangt halb französischen halb
sonstigen Zuschnitt; deshalb hat der Pole keine Zukunft, er unterliegt dem
eigentümlicheren Russland. Findet dieser Repräsentant des mächtigsten Slawentums,
findet er Regenten, die ohne Rücksicht auf das alte Europa Russland in ganz
eigener Nationalität zu einer Gewalt aufbilden, so kann ein neues
weltistorisches Element entstehen, das bisheriges freilich zermalmen müsste.
    Selbst ohne so große Ausdehnung und Bedeutung kann Polen auf Jahrhunderte
als Polen verloren sein, und was jahrhundertelang sich verliert, das wird ein
anderes. Lasst singen: Jetzt ist Polen doch verloren!
    Wer sich töricht unterfängt, in Schnelligkeit die Weltgeschichte meistern
und ändern zu wollen, wie wir in den letzten Jahren als eine Kleinigkeit
versuchten, der beklage sich nicht, wenn er zugrunde geht. Handle, wer sich
berufen fühlt, aber keiner wage ins einzelne vorauszubestimmen, was werden soll;
wir kennen die Welt nur einen Schritt weit. Ich will in meine Heimat gehen, mir
eine Hütte bauen, das Weite auch ferner betrachten, aber nur fürs Nächste
wirken.
    Hofft ihr Juden nicht seit achtzehnhundert Jahren umsonst auf ein wieder
erwachend jüdisch Reich, ist das nicht euer Hauptunglück? Warnet die Polen,
damit sie nicht mit ihrem starr erhaltenen Schmerze europäische Juden werden?
Ihr wollt es heut noch nicht glauben, dass ihr in einem neuen Umschwunge der Welt
verloren gegangen seid, und so seid ihr der ewige Jude geworden, der nicht
sterben kann und überall leidet. Gott bewahre dies Land vor einem ewigen Polen!
Wer nicht sterben kann, lebt auch nicht. Diese Welt kreist einmal nur zwischen
Leben und Sterben. Wie glücklich sind die Schotten in Engländer aufgegangen, wie
schwer wird den Irländern der Tod, die schon lange Engländer sind, wie bedroht
jeder Ruck die Scheinpflanze Belgien, wie ringt Spanien in tausend Schmerzen,
weil die einzelnen Reiche nie sterben wollten!«
    »Wie sollen wir sterben, wir armen Juden! weiser Christ?
