 stürzt er los: »Ich bin gekommen, die Verbrecher vom 15.
August zu verhaften, Sie selbst sind mir von Lelevel als Teilnehmer genannt -«
    Krukowiecki erbleicht, sein ganzes Werk steht auf dem Spiele, die Armee ist
da, und seine Macht kann in einem Nu entrückt sein. Er gibt sein Ehrenwort, mit
dem patriotischen Klub nichts gemein zu haben, Dembinski lässt sogleich die
Häupter desselben und Anführer des Aufstandes verhaften.
    Unterdessen versammeln sich die Landboten, der Moment kommt, wenn sich
Dembinski zum Diktator machen will; er schwankt hin und her; sein Vorsatz kommt
zur Kenntnis des Marschalls Ostrowski, und dieser ruft laut: »Wenn Dembinski
erscheint, so verweigere ich ihm das Wort.«
    Man überbringt Dembinski eiligst diese Äußerung, er erschrickt, gibt sein
Unternehmen auf, und da er doch Generalissimus ist, rückt er hinaus ins Lager.
    So war das Feld wieder frei für Krukowiecki: immer längere Listen von
solchen, welche das Volk ermorden wolle, überbrachte er dem Reichstage, ließ das
Schloss mit Truppen und Kanonen umringen, als sei die größte Gefahr vorhanden,
und ward dann auch wirklich unter diesen Schreckensumständen, die er allein zu
bändigen schien, zum Präsidenten der neuen Regierung ernannt.
    Jede Partei glaubte, sich Glück wünschen zu können; die ausschweifendsten
Demagogen wurden bestraft, die tüchtigsten aus der Volkspartei, wie Xaver
Bronikowski, wurden angestellt, den Doktrinärs ward dadurch genügt, dass
Bonaventura Niomojewski Vizepräsident wurde, die Aristokraten fanden ihre
Stellen im diplomatischen Kreise, ein paar Soldaten und gemeine Leute, welche
man bei den Mordszenen ergriffen hatte, wurden erschossen; der neue Regent war
von unermesslicher Tätigkeit, man fühlte sich konsequent und durchgreifend
regiert, alles pries den Retter aus so großer Unruhe und Unordnung, den alten
Krukowiecki.
    Valerius, der an jenem Abende den Slodczek wirklich gerettet hatte, ging
jetzt lebhaft mit dem Entschlusse um, wieder in die fechtenden Reihen
einzutreten, obwohl sein Anteil an allen diesen Dingen völlig erstorben war. Es
graute ihm vor diesen revolutionären Zuständen, die ihm mit aller Grässlichkeit,
mit ihrem entsetzlichen Zufalle so nahe getreten waren, ein ganzes historisches
Verhältnis war ihm unheimlich, wo in keiner Weise ein gesichert Allgemeines
festgestellt werden konnte, aber er hielt es für schicklich, jetzt nicht
abzustehen, wo die Gefahr aufs höchste gestiegen war.
    Eine Rückkehr nach Deutschland war in diesem Augenblicke auch nicht möglich,
die Russen hatten eine Meile von Warschau den ganzen Kreis des linken
Weichselufers besetzt; sogar das Rüdigersche Korps hatte sich von Süden herauf
mit der großen Armee vereinigt, vor Deutschland lag die Mauer einer Armee.
    Im Begriff, nach Wola hinauszugehen, schritt er trübe und düster über den
sächsischen Platz, das ganze Leben sah ihm zugemauert und verloren aus,
