 sich dieser Überrest aus der
französischen Royalistenzeit für russisches Gold auch zu Machinationen gegen
Polen bereitwillig gefunden habe.
    Es war ein auffallender Zug in dem Gemüte Valerius', dass er ebensowenig
einem dauernden Hasse sich hingeben, als einen wirklich verächtlichen Menschen
völlig verachten und wegwerfen konnte. Er klagte es oft als eine Schwäche seines
Charakters an, und doch widerstrebte ein Etwas seines innersten Wesens, wenn er
sich zu diesen sogenannten Kraftäusserungen der Seele anspornen wollte. Es gibt
ein bekanntes Wort: »Wer nicht recht hassen kann, vermag auch nicht recht zu
lieben«; aber er kam nie recht zum Glauben an diesen gebieterisch klingenden
Satz. In der Forderung dieser Kraftextreme lag ihm stets eine kultivierte
Roheit, und so unangenehm ihn auch die Schwächlichkeit berühren mochte, sie
durfte sich nun in Taten oder Maximen äußern, so wenig konnte er sich doch den
rücksichtslosen Kraftprinzipien anschließen. Alle Systeme mit starrer
matematischer Konsequenz schienen ihm der unerschöpflich mannigfaltigen, immer
neu und unerwartet sich entwickelnden Menschennatur zuwider, feindlich,
verderblich zu sein. Namentlich führten ihn geschichtliche Studien von allem
Unbedingten zurück, und seine eigenen, früheren Ansichten flössten ihm oft ein
Grauen ein vor jeder starren Einseitigkeit.
    So missfällig ihm also das erschien, was er von seinem jetzigen Nachbar
wusste, so fühlte er doch eine Art Mitleid mit dem gefährlichen Zustande, in
welchem sich dieser wirklich befand. Die Todesstrafe jeder Art, wie sie von
Menschen über Menschen verhängt wird, hatte immer etwas Entsetzliches für
Valerius; er war sich zu tief dessen bewusst, wie Moral und Gesetze und Zustände
aller Art dem lebhaftesten Wechsel unterworfen seien, er hielt es immer für eine
martialische Aushilfe der Gesellschaft, sich über das Leben eines Menschen das
Recht anzumassen.
    Während solchergestalt die Gewitterwolke über Lessels Konditorei hing und
jeden Augenblick sich zu entladen drohte, schlug sie bereits mit mächtigen
Streichen in die Gefängnisse der beiden verdächtigen Generale. Die Regierung war
machtlos, solche Exzesse zu hindern ohne den Gouverneur, und der Gouverneur war
Krukowiecki. Es ist nicht zu leugnen, dass er eine außerordentliche Tätigkeit an
diesem verhängnisvollen Tage entwickelte, er war überall, und überall war er
tätig. Glührot vor Zorn und Eifer stürzte er in das Zimmer, wo sich die fünf
Mitglieder der Regierung versammelt hatten, und berichtete, wie der Aufstand von
Minute zu Minute wachse und ein immer drohenderes Ansehen gewinne, wie die
Gefängnisse der Generale bereits erbrochen seien, und er nichts hindern könne,
wenn man ihm nicht größere Vollmacht erteile. Die vier Regierungsmänner machten
dem fünften unverhohlen die lebhaftesten Vorwürfe über die Szenen. »Das sind die
Taten des Klub,« rief Vinzenz Niemojewski, »den Sie protegieren, das ist die
Manifestation Ihrer gepriesenen Demokratie.« Der lange blasse Mann, an welchen
diese Worte gerichtet
