 werden sich finden, das gehört für die
Maschinenmenschen, wir erfinden, wir ändern im großen, das Genie kümmert sich
nicht um Hilfswissenschaften. Und diese Klasse der Revolutionärs ist noch die
beste, sie sucht nur dem eigenen Geständnisse der Unzulänglichkeit zu
entfliehen, sie will sich selbst darüber täuschen, dass sie den schwierigen,
mühseligen Weg der Kultur überspringt, sie hat noch Stunden des Zweifels, der
Unsicherheit, und sie wird noch von der anderen, schlimmeren Hälfte
vorgeschoben, die nichts will als rauben und stehlen im großen und kleinen.
Diese letztere lebt in unbehaglichen Zuständen, sie ist zu träge oder zu
ungeschickt, sie in bessere umzugestalten - jede allgemeine Änderung ist ihr
willkommen. Je gewaltsamer, je größer, desto besser. Da öffnen sich Chancen, die
außer dem Laufe des Herkömmlichen liegen, da gibt es allerlei Beute, die nicht
mühsam lange vorbereitet zu werden braucht. Diese Stegreifritter des Wissens,
des Herzens und schneller Hände, diese bilden die sogenannte revolutionäre
Jugend.«
    Wenn die Leute dennoch recht hätten! Er stand an einer Straßenecke still.
»Es ist freilich ein Räsonnement des Theaters,« sprach er weiter, »ebenso
oberflächlich, wie das, was sie oberflächlich nennen, ebenso einseitig, eine
schnelle Antwort für den schnellen Frager, der die Bühne verlassen muss, weil man
zur Verwandlung geklingelt hat. Aber wie sieht es aus in mir? Muss nicht ein
jedes Individuum seine ganze Partei vertreten, muss es nicht all seine
Verhältnisse, Stimmungen und Wünsche fortwährend den Forderungen der Welt, der
Bildung gegenüberstellen, um zu prüfen, ob die neue Generation auf richtigem
Wege sei? Ist es bloß persönliches Ungeschick, dass nichts in mir und um mich
passen will, bin ich ein falscher Ausdruck unserer Jugend? Gehetzt lauf' ich
durch die Tage hin, alles entwickelt sich mir zu langsam, überall finde ich
Hindernisse, nur der Rausch, wie meine Liebe für Konstantien zu sein scheint,
hält mich eine Zeitlang aufrecht, einsames Krankenlager wirft mich wieder in das
Chaos zurück - kann das der rechte Weg sein?«
    »Vorgesehen!« riefen plötzlich zwei Stimmen neben ihm. Eine Tragbahre
streifte an dem Träumer hin; sein Auge fiel auf einen Kranken, der ausgestreckt
auf derselben lag. Entsetzt wendete er den Blick hinweg. Es war ein
aufgeschwollenes, todblasses Frauengesicht, dessen vortretende Augen ihn mit
einem gespenstischen Todesblicke anstarrten.
    Jetzt fiel ihm ein, dass seine Krankenpfleger erzählt hatten, seit der
Schlacht bei Iganie sei die Cholera unter den Polen zum Vorschein gekommen, das
Pahlensche Korps habe sie aus Bessarabien mitgebracht, und jetzt wüte sie in
Warschau. Die Träger hatten jenes kranke Weib niedergesetzt und reichten
einander die Schnapsflasche, um sich für den weiteren Weg zu stärken.
