 zusammengedrückt in der kräftigen Hand
hält, als ein reiches Talent ohne energischen Charakter. Eine gewisse
Einseitigkeit ist zu den größten Handlungen nötig; es gibt nichts in der Welt,
was nicht in mancher Rücksicht bedenklich erschiene, und wer alle Rücksichten
bedenken will, wird nie ein Schöpfer.
    In dieser Situation war aber Prondzinski außer allem Zweifel. Seine Stellung
überhob ihn der Verantwortlichkeit im großen, seine Einsicht lehrte ihn das
Notwendige des unverzüglichen, kräftigen Angriffs und verhieß ihm die
glänzendsten Früchte, stellte ihm aufs deutlichste die schlimmen Folgen der
Unterlassung dar. Es war also nicht zu verwundern, dass er mit solchem Eifer in
den Oberfeldherrn drang, ja, dass er diesen bald bis zur Leidenschaftlichkeit
steigerte. Ebenso lag es aber auch in seinem oft zweifelnden und mitten im Laufe
still haltenden Wesen, dass ihn die imponierende Verweigerung des Angriffs von
s Skrzyneckis eine Weile befangen machen konnte. Was der Oberfeldherr
einmal unternommen hatte, das war stark und tüchtig von ihm durchgeführt worden
- gerade was uns fehlt, macht den gebietendsten Eindruck auf uns, sobald wir es
anderen entdecken: diese stille nachhaltige Kraft wirkte einschüchternd auf
Prondzinski.
    So kam's, dass er den Begegnungen des Generalissimus lange schweigend zusah
und zu erwarten schien, es werde bald ein einziges Wort von dessen Lippen
kommen, das alle seine Gründe mit einem Male niederschlagen könne. Leute von
Prondzinskis Beschaffenheit, die leicht und gewandt produzieren und wenig Kraft
besitzen, sind am ersten der Meinung, dass andere mit langsamen
Geistesoperationen Gedanken zum Vorschein bringen, welche reifer und
vollkommener sind als die Kinder ihrer eigenen schnellen Geistesbewegungen.
    Skrzynecki schwieg aber noch immer und ging im Gemache auf und ab. Endlich
blieb er am Tische stehen und neigte sich über die Karten hin. Es war aber nicht
schwer zu erkennen, dass sein Auge nichts von dem sah, worauf es gerichtet war.
Seine Hand, die besser von den Sympatien ihres Herrn unterrichtet sein musste,
griff nach einem französischen Journale, indem sie ein polnisches heftig
beiseite stieß. -
    »Es ist ein frevelhaftes Geschwätz, das diese Warschauer Journalisten sich
erlauben, nichts ist ihnen heilig.«
    Diese Worte sprach er mit halber Stimme, und sie schienen ihm so zu
entgleiten, dass er selbst kaum etwas davon wissen mochte, denn er vertiefte sich
gleich darauf in das französische Journal, und sein Gesicht heiterte sich
merklich auf bei der Lektüre. Es war der Avenir von Lamennais, welcher damals
mit vieler Salbung von dem religiösen Element des polnischen Oberfeldherrn zu
sprechen pflegte, viele Nutzanwendungen daraus auf die nächste Gestaltung
Polens, auf Sinn und Geist der Armee und auf die Kriegsführung überhaupt
herleitete, und Skrzynecki selbst immer auf eine äußerst schmeichelhafte Weise
mit Lobeserhebungen bedachte.
    Als Prondzinski diese Wendung der Dinge inne wurde,
