 keineswegs alles in Ordnung, wo wir aber halb und halb die
Hoffnung aufgegeben haben, die widerstrebenden Massen zu bewältigen, und wo uns
dieser oder jener Reiz für den Mangel einer völligen Harmonie entschädigt, da
kommt uns der Humor, ein beschwichtigender Tröster. Tief in den Winkeln seines
Lächelns ruht zwar ein ewiger Schmerz, aber dieser hebt nur das Lächeln um so
mehr, wir fühlen die Notwendigkeit, uns selbst zu erhalten, und jenen Schmerz
unberührt zu lassen. In dem Lächeln liegt auch ein so heimatlicher Zug, ein
Erinnern an die Kindheit, an die Tage, wo wir noch völlig unschuldig waren, eine
Stimme sagt uns: Dies Lächeln ist echt, stammt aus dem Ursprünglichen deiner
Natur, aber der Schmerz ist erst gekommen mit der erworbenen Bildung, folge
deiner Natur und lächle.
    Daher kann es auch nur Humor geben, wenn die Bildungszustände in Gärung und
Wechsel geraten sind und sich neu gestalten wollen. In sogenannten klassischen
Perioden, wo die eben kursierende Aufgabe der Zeit gelöst, wo alles fertig und
bestimmt ist, was man Tugend, Gesetz, Schönheit nennt, da gibt es keinen Humor.
Die Juden, Griechen und Römer mit ihrer fertigen Welt kannten ihn nicht.
    Der alte Graf versäumte in seiner guten Stimmung nicht, die humoristische
Laune des Deutschen durch artige, geistreiche Bemerkungen zu unterstützen,
Stanislaus lächelte dazu, obwohl man leicht bemerken konnte, dass ihm das
eigentliche Verständnis dieser Stimmung abging. Alle einseitigen Völker wie die
Polen, besitzen keinen Humor, dessen Existenz die größte innere Mannigfaltigkeit
bedingt. Dieser Mangel erschwert dem Deutschen das behagliche Zusammenleben mit
solchen Nationen, zu denen auch die Franzosen gehören. Schnelle, kurze
Handlungen, welche diese Völker bezeichnen, haben nichts zu schaffen mit der
breiten Basis des Humors und seiner alles umfassenden Natur. Auch Konstantie
gehörte eigentlich nicht in diesen Bereich, ihr entschlossener Geist war nicht
daran gewöhnt, nach allen möglichen Richtungen zu blicken, aber die Liebe lehrt
alles. Wenn sie Valerius in dieser heitern, beweglichen Laune sah, da fühlte sie
sich überaus glücklich und gehoben, sie erkannte darin die frische Einwirkung
ihres Liebesverhältnisses, das deutsche Naturell und die feinen
Auffassungsorgane der Neigung erleichterten ihr das Verständnis dieser
ungewöhnlichen Sprünge des Geistes und Herzens, und so bildete sich bald ein
Zirkel der ergötzlichsten Unterhaltung. Hedwig schwamm in ihrer jugendlichen
Heiterkeit mit darin herum und schickte sich auf das Beste zu dieser in Polen so
fremdartigen Konversation, denn die Frauen verstehen alles schnell, wo das Herz
seine Töne beisteuert, und so hatte sich bald ein bestimmter Kreis gebildet im
Salon, welcher scherzhaft »der deutsche Klub« genannt wurde.
    Valerius war auch am Tage öfters im Hause des alten Grafen, und unter dem
steten Wünschen, den weißen Schal bald zu erblicken
