 den Worten des Dichters, und die Liebkosungen
schlugen wieder zusammen über dem zärtlichen Paare mit ihren hohen strahlenden
Wogen.
    Es scheint ein Widerspruch zu sein mit der raschen, forteilenden Empfindung,
dass Liebende in der höchsten Bewegung ihrer Leidenschaft die schwierigsten
Gedanken des menschlichen Geistes berühren, über die wichtigsten Interessen des
Menschen mit wenig Worten entscheiden. Aber es ist keiner, und die Erscheinung
ist wahr und alltäglich. Alle höheren Kräfte sind aber auch in solchen Momenten
entwickelt, wirksam, tätig, das Herz liegt weit geöffnet und gibt sie frei, all
seine besten Gedanken, und es ist ein altes Wort: die besten Gedanken kommen aus
dem Herzen.
    Zwischen die Zärtlichkeit unserer Liebenden drängten sich Gespräche,
Ausrufungen, einzelne Sätze der mannigfaltigsten Art. Sie entwickelten sich auch
gegenseitig ihren Charakter, und Konstantie konnte nicht müde werden, ihrem
Geliebten vorzuwerfen, dass er sich zu trübe, zu nachteilig beurteile. »Was du so
anklagst,« sagte sie, »dies ewig nachdenkliche, prüfende, befangene Wesen, das
hat mich zu dir gezogen, gleich als ich dich das erstemal gesehen hatte. Wir
Frauen sind alle unbefangen; wenn wir eine Zukunft von drei Tagen bedenken, so
ist das schon ungewöhnlich, die Zukunft ist der Männer, darum ist der Mann am
gefährlichsten für uns, der sie zu beherrschen, sich zu sichern, zu unterwerfen
trachtet. Wir sehen, dass er für etwas sorgt, wofür wir kein Auffassungsvermögen
haben, und das gewährt ihm eine große Überlegenheit, wir fühlen uns gesicherter,
gehoben in seiner Nähe; die unbekannten Mächte, die er bewältigen will, weben
ein Geheimnis um sein Wesen, das uns reizt und anzieht, und so kommt das gar
bald, was du Poesie nennst, was uns Interesse, Liebe heißt. O, ihr Männer mögt
diesen Zauber gar nicht empfinden: wenn du in die Gesellschaft tratst und das
Gespräch ergriffst, und es mit wenig Worten bedeutsamer machtest, da wachten die
süßesten Ahnungen in mir auf von höheren, schöneren Dingen. Ich kann sie dir
nicht schildern, ich hatte keine Namen dafür, aber sie waren da, sie kommen
täglich wieder mit deinem dunklen, sinnenden Auge, mit deinen wunderlichen,
schweren Worten, die immer so anders sind als die der gewöhnlichen Leute. All
mein Stolz war neben dir entwaffnet, mein Verstand mochte noch so schnell
operieren, er misstraute seinen Worten, wenn ich sie vor dir aussprach, alles war
leer neben den deinen, es fehlte eben jene Anknüpfung an andere Welten, die wie
ein hervorhebender Schatten auf deinen kleinsten Gedanken lag. Was hab' ich mich
gescholten, wenn mein Herz dir so offen entgegensprang, was hab' ich gelitten
bei deinem Zurückhalten; wie arm, wie unbedeutend kam
