 nach bloßen
Begriffen errichtet werden, welche der abgesondert spekulierende Geist ersinnt,
so wenig als das Individuum nach eigenen geselligen Regeln sich bewegen darf,
solange es in der übrigen Gesellschaft seinen Raum einnehmen will. Eben weil es
nichts Einzelnes gibt, weil nichts ohne Verhältnisse existiert, können Wechsel
und Änderungen nur mit der größten Umsicht vorgenommen werden. Und Umsicht ist
nicht Sache des poetischen Herzens, sondern der Erfahrung; darum dürfen wir
unsern Jünglingen den Staat nicht überlassen.
    Machen Sie mir nicht so klägliche Gesichter. Freilich ist es für das feurige
Blut niederschlagend, dass die Weltgeschichte in so kleinen Schritten geht, dass
sie nicht eher weiterrückt, als bis ein großer Staatenraum auf gleicher Höhe
angekommen ist; aber auf diesem lückenhaften Planeten, wo uns lauter unerklärte
Anfänge umgeben, müssen wir uns drein fügen.
    Verzeihen Sie meine Breite, ich komme zum Thema zurück. Ich hoffe, hass mein
Sohn einen ganzen Freund in Ihnen gewinnt, Ihre Nation ist die Nation der
Freundschaft, weil sie am wenigsten ausschließlich in Sitte, Formen und Gedanken
ist, weil sie am meisten annimmt und verzeiht, ja, erlauben Sie mir den
Ausdruck, weil sie am wenigsten Nation ist. Dieses Kapitel der Demokratie
betrifft aber meinen Sohn und seine Neigungen ebenso dringend als Sie, Herr von
Valerius. Es drängt mich, offen, ganz offen zu sprechen, und ich verspreche mir
sogar in Ihnen eine Hilfe, einen Sekundanten gegen Stanislaus zu erwerben. Ich
habe meines Sohnes Bildung selbst zu lebhafter Teilnahme an demokratischen
Formen geleitet, ich bin ihm vor allen Rechenschaft schuldig, wenn ich ihn jetzt
vom patriotischen Klub und dem, was dazu gehört, abziehen will.
    Meine Herren, es ist das Wahrscheinlichste, dass diese Interessen in kurzem
die eigentliche Lebensfrage Polens werden, ich halte sogar den mächtigen Feind
für unwichtiger. Wenn wir vereinigt blieben, besiegt er uns nicht, aber die
Trennung wird nur zu bald klaffen wie eine breite Wunde. Die Jugend ist
unternehmend, sie ist der Kern des Heeres, sie wirbt den gemeinen Mann, oder hat
ihn schon geworben, sie will keine Vermittlung, sie hasst das Halbe, das
Vorbereitende; denn ihre Kraft ist eben die gewaltige Einseitigkeit, bald wird
man uns mit dem Geschrei aus dem Schlafe wecken: Demokratie oder Tod!
    Du schüttelst den Kopf, Stanislaus, du hoffst wohl gar auf Krukowiecki -
Unglücklicher, dieser Mann ist die schrecklichste Garantie, er ist voll
unlauteren Ehrgeizes, der das Land in die Luft sprengt für seinen Ruhm - gut, es
mag sein, ich will übertrieben haben. Ein Kampf dieser Parteien bleibt gewiss
nicht aus, und er verdirbt uns, er lähmt und verwirrt die Kräfte. Ein voreiliger
Sieg der Demokratie tötet uns. Was ist Polen ohne seine
