. Was mir Interesse verspricht, das such' ich auf; wenn Sie durchaus
Tugend haben wollen, nun wohl, ich halte das für Tugend, Gottes Welt so schön zu
finden, als es unsere Kräfte nur immer erlauben.
    Also Sie kennen dies Mädchen schon länger? Erzählen Sie mir doch, was Sie
hier für ein Leben getrieben haben; armer Mann, der schwere Hieb über den Kopf
konnte Sie töten. So viel ist doch die Geschichtskenntnis nicht wert. Freilich,
was ist der Mann, der nicht mit dem Leben zu spielen vermag; Sie haben ganz
recht, und die Schmarre und der Schnurrbart stehen Ihnen gut. Bei solchen
denkenden Leuten haben die Beweise des männlichen Mutes etwas Rührendes, bei den
leeren Köpfen sieht es leicht so aus, als gehörte das zum Handwerk. Aber Sie
müssen noch leiden, die Wunde hat noch ein frisches Ansehen, ein ganz frisches,
Sie Armer. Nicht wahr, Sie werden dem Kicki folgen, und sich eine Zeitlang
schonen, nicht wahr? Es ist mir ganz neu an Ihnen, dass Sie so freundlich lächeln
und eine schwatzhafte Frau so liebenswürdig anhören können.
    Indessen, mein junger Landsmann, Sie müssen ein anderes Leben hier beginnen,
wenn Sie nicht in vage, gefährliche Verwirrnisse geraten wollen. Wo waren Sie
heut abend, ehe Sie so spät in diesem Saale erschienen?«
    Valerius sah sie verwundert an.
    »Im patriotischen Klub waren Sie, mitten unter den wildesten, exaltiertesten
Demokraten, mit denen in kurzem der offene Kampf losbrechen wird; lassen Sie
diese ultrademokratischen Dinge, die Ihnen gar nicht einmal so natürlich sind,
als Sie glauben. Sie haben sich vielmehr diese Grundsätze als eine Art von
Tugend angeeignet, weil Sie aus Trieb nach Charakterstärke eine Art Schwärmer
sind, ein Systematiker.«
    Hier unterbrach der Graf Kicki die Fürstin und führte sie zur Tafel.
Valerius stand überrascht von all den plötzlichen Erscheinungen, die wie ein
lustiges Gewitter über ihn hereingebrochen waren, und bemerkte es kaum, dass
Hedwig und Stanislaus zu ihm traten, und dass das fröhliche Mädchen über seine
Geistesabwesenheit lachte. Aber er fühlte es mit innigem Behagen, als sie ihren
Arm in den seinen legte. Den andern reichte sie Stanislaus und unter ihren
Scherzen und liebenswürdigen Vorwürfen, dass der Herr von Valerius sie auf eine
abscheuliche Weise ignoriert und kaum von weitem gegrüßt habe, kamen sie in den
Speisesaal. Die Fürstin saß nicht weit von ihnen, und ihre Augen sahen mit einem
seltenen Gemisch von Wehmut und Lebhaftigkeit auf den jungen Deutschen, wenn er
angelegentlich mit Hedwig plauderte, und wenn seine Augen mit unverhehltem
Wohlgefallen auf den Zügen des glänzenden Mädchens ruhten. Sie saß dicht neben
ihm, und wenn sie eilig eine Bemerkung mitzuteilen hatte, da war
