 Geistige daraus
gibt er wieder in Tönen. Der wahre Poet fühlt die Situation durch bis an die
Spitzen der Wurzeln und sein Gefühl davon ist die Poesie - der Eure flattert mit
seinen Blicken durch das Laub, und was er gesehen, ist sein Gedicht. Es ist eine
traurige Oberfläche, und ich weiß nicht, wo das hinaus soll, wenn die Opposition
nicht lebhafter wird.
    Das Gedicht muss aus der Knospe des innersten Menschen brechen. Ihr pflückt
es von den blinzenden Augenwimpern, dem zuckenden Munde. Was soll man zu diesen
kleinen Darstellungen Heines sagen, die Du so verehrest, wo nichts beschrieben
wird als ein Knabe, der im Kahne angelt und dazu pfeift, wo ein Mädchen im
Lehnstuhl sitzt und schläft. Das ist ein Buhlen mit fremden Künsten, das gehört
der Malerei und ins Gebiet der Fläche, die Poesie hat aber mehr Dimensionen, und
die Höhe und Tiefe ist ihr Wesentliches.
    Ich entferne mich immer mehr von Euch - ich weiß nicht, was Euch halten
soll, wenn Eure physische Spannkraft Euch verlässt, Ihr besteht ja doch nur wie
künstliche Maschinen; wenn Eure künstliche Tätigkeit aufhört, so fallt Ihr
zusammen. Ihr seid isoliert von der Verbindungsstange der höheren Elektrizität,
Ihr seid ohne Bezug zur Gottheit - eine Krankheit, die Eure geringe geistige
Kommunikation mit ihr aufhebt, weil sie Eure geistige Tätigkeit aufhebt, wirft
Euch zu den Tieren. Meine Religion ist die unzertrennbare Einigung mit dem
Höchsten, sie besteht wie die Atmosphäre, auch wenn ich selbst unfähig bin, die
geistigen Anknüpfungspunkte festzuhalten. Was soll ich zu Deinem theologischen
Treiben sagen, das unsere Urkunden und die Worte der alten Glaubenshelden nur
mit dem zersetzenden kritischen Auge ansieht und fertig zu sein hofft, wenn
alles in Wasser aufgelöst ist. Ich bedaure Euch und gäbe viel darum, wärt Ihr
anders. Ade. -
                                  Nachschrift.
    Eben erhalte ich Briefe von Berlin. Konstantin ist dort angekommen, hat ein
Logis von mehreren Gemächern gemietet, ist wieder abgereist und hat seine
Rückkehr mit einer Dame angekündigt. Die Adresse findest Du beigelegt, erlasse
mir die Erforschung des Details dieser skandalösen Geschichte. Leb wohl!
                              Valerius an William.
Dass Du nicht in der Nähe des Walter Scott gelebt, als er seine »Schwärmer«
schrieb, bedaure ich lebhaft; Du hättest ihm ja das beste Bild eines
hartnäckigen und hartmäuligen Presbyterianers gegeben. O, über Euch schlimmen
Menschen! Weil Ihr nun einen Käfig zusammengesetzt, in dem Ihr Euch
wohlbefindet, verlangt Ihr denn nun ungezogen tyrannisch, es solle alle Welt in
diesen Käfig kriechen. Ihr habt Eurem innern und äußern Menschen ein Kleid
zugeschnitten, und alle Welt soll nun hineinkriechen, es mag ihr zu eng oder zu
weit sein. Erinnere Dich, Freund, dass ich
