 ich Dir nicht viel Tröstliches für
die meisten Leute erwidern. Der Liebesharm ist eine süße Krankheit, die mit dem
schönsten Schmerz beglückt und mit reiferer Gesundheit endet. Der deutsche
Liebesharm ist ein chronisches Übel, das Jüngling und Mann entnervt. Man muss
gegen ihn kämpfen. Ich will nicht treu sein, weil ich die Treue zumeist für eine
Sünde gegen unsern fort und fort rückenden Planeten und das, was darauf und
daran ist, halte. Treue ist ein Schutzmittel für schwache, nicht ausreichende
Kräfte; die Kräfte sollen aber am Ende stark werden. Solange man diese Krücken
der Liebe nicht fortwirft, lernt man nicht selbständig lieben. Auch die Liebe
verlässt sich in jener sogenannten Tugend auf das Herkommen und ruht aus auf
einem hergebrachten Privilegium, statt auf eigener, unversiegbarer Kraft zu
bestehen. Es ist ein Traditionsgut, wie jedes andere auch, die Länge der Zeit
ist das Verdienst, nicht die Größe oder Schönheit der Sache. Alle die tausend
gebrochenen Herzen, alle die langweiligen verdrossenen Ehen sind die Kinder der
Treue. Jedes schwindsüchtige Mädchen, jeder jämmerliche Jüngling verlässt sich
auf ihren Schutz, wenn es ihr oder ihm gelungen, in einer schwachen Stunde eine
Eroberung zu machen. Die Treue ist das große Gängelband der menschlichen
Faulheit und Schwäche, sie ist auch die Poesie der Kraftlosigkeit und ein
»getreuer Eckard,« unserer Tage, wie Du ihn einst vorhattest, ist eine Sünde
wider den Geist der Zeit, und der Geist der Zeit ist der Zeit heiliger Geist.
Wenn der König von Gottes Gnaden sich auf Herkommen und angestammte Treue
beruft, und darin matt in der Vortrefflichkeit seiner Regierung die
Notwendigkeit derselben finden lässt, so ist dies die steife Lehre von der Treue.
Nur was Blut hat, soll leben, nicht was nach Leben aussieht; ist Deines Lebens
Blut in Deiner alten Liebe zu finden, dann sei treu, dann ist Deine Liebe jung.
Dies ist die schöne Lehre von der Beständigkeit, die dann eine Tugend ist, wenn
die äußeren Verhältnisse mit den inneren harmonieren. So ist die Ehe nur ein
Damm gegen den Strom der Geselligkeit; wisst Ihr auf freiere Weise den Strom zu
leiten, so braucht Ihr keine Dämme. Wenn erst Tausende nichts mehr dem Herkommen
zuliebe tun, so ist das Lebenselement des Herkommens, seine Unzweifelhaftigkeit,
vernichtet, und eine neue Welt nähert sich im Sturmschritt. Es geht alles Hand
in Hand, die Gesetze sind eine große Kette: trennt ein Glied, und die andern
klirren ebenfalls auseinander. Die neuen Staaten machen nach eben diesen
Grundsätzen die Ämter beweglich, nur die Kraft behält sie, dem Herkommen zahlt
man keinen Deut - alles gilt nur durch das, was es ist, nicht was es war oder
heißt. Soll es mit
