 Freundschaftsverhältnisse aus unserm
poetischen Vereine bewogen mich, der Polizei ins Handwerk zu greifen. Das sind
die Folgen jener grauenhaften Lebensansichten, denen Du selbst nicht ganz fremd
bist. Was ist Euer Bodensatz? Die empörendste Eigenliebe. Das Ich allein soll
sich auf jede Weise wohl befinden, mag nun um Euch herum alles darüber zugrunde
gehen. Es ist die unchristlichste Subjektivität, die nur ersonnen werden konnte,
und dabei wollen sich einige von Euch noch in die Mitte der demokratischen
Zeitbewegung stellen, wollen sie loben und führen. Heißt das nicht den Bock zum
Gärtner setzen! Das Wesen dieser demokratischen Richtung ist Allgemeinheit,
Zurückdrängen des individuellen Interesses, um das der Gesamtheit auf den Thron
zu setzen. Gebärdet Ihr Euch nicht wie kleine Despoten, wenigstens Autokraten,
die sich eben nur selbst Gesetz sind, die all ihren Launen den Zügel schießen
lassen?
    Und unsern Vereinigungspunkt, die Poesie anlangend, was hat uns da diese
Richtung gebracht? Eine schamlose Enthüllung des eigenen Körpers, mit dem die
Poeten feilen Dirnen gleich kokettieren. Sie haben keinen andern Mittelpunkt
mehr, als das persönliche, meist materielle Vergnügen, und je nachdem das nun
groß oder klein oder gar nicht da ist, wird das Gedicht frivol oder abgeschmackt
oder gottlos. Sie haben sich selbst auf den Thron des Höchsten gesetzt, darum
haben sie eine so arme Welt, eine so jämmerliche Regierung derselben, einen so
sündhaften schwachen Gott. Mit wieviel Heineschen Gedichten könnte ich Dir das
belegen, und wie klar liegt der Ursprung alles dessen vor Augen.
    Unfähig sich durch großartige Zusammendrängung der neu entdeckten Gefühle
und Gedankenkreise auszuzeichnen, etwas die allgemeine Aufmerksamkeit
Überwältigendes zu liefern, aber doch gedrängt und gestachelt durch weibische
Eitelkeit, entüllten sie wie jener Mann in der Bibel die eigene Scham, brachten
sie die ganze Rumpelkammer der früheren Poesie, die Hobelspäne der früheren
Werke hervor, putzten sie mit modernen Kleidern auf, und gaben sie hin für
Gedichte. Die faule Welt, die soviel Soziales zu tun hatte, dass ihr keine Zeit
blieb für die Räume des besten inneren Menschen, nahm die Wechselbälge
wohlgefällig hin, weil sie in ihrer bunten Tracht nur eines flüchtigen Blicks
bedurften, und kein sorgfältiges Beschauen, keine Zeit, keine Tätigkeit in
Anspruch nahmen. Das einmal Gebilligte war Regel geworden, und nächstens erwarte
ich das Unanständigste, weil die heutige Welt doch erst auf der Spitze des
Berges umkehren wird. Es ist wie mit dem Verdauungsprozess - das ist ein Bild aus
Eurer Schule - der kranke Magen fördert die halbrohen Speisen weiter, der
gesunde zerteilt, zerlegt sie bis in die kleinsten Atome; Eure Poeten packen die
Situation, schleudern sie durch einige Verse, und das Gedicht ist fertig; der
wahre Poet läutert sie bis in die geheimsten Motive, und das
