 der behandschuhte Mörder hat sein Opfer einstweilen nur
ein bisschen kitzeln wollen. Wahrhaftig, eine kitzlige Geschichte. Alle meine
Bekannten, parole d'honneur, lieber Professor, sind empört über die
Leichtgläubigkeit, die sich von so albernem Spuk zum besten halten lässt.«
    Daumer hielt es für unter seiner Würde, Zorn oder Entrüstung zu zeigen. Er
stellte sich, als hätte er nicht übel Lust, dem Rittmeister beizustimmen, und
fragte gelehrig, wie man sich aber den ganzen Vorgang zu denken habe. Herr von
Wessenig zuckte vielsagend die Achseln; er mochte heftiges Aufbrausen und
scharfe Zurechtweisung erwartet haben, und weil dies nicht eintraf, legte er
sein verhaltenfeindseliges Wesen ab, war jedoch vorsichtig genug, sich nur in
allgemeinen Vermutungen zu äußern. »Vielleicht ist der gute Hauser betrunken
gewesen und auf der Treppe gefallen und hat dann die Mordsgeschichte ausgeheckt,
um sich interessant zu machen. Das wäre ja noch harmlos. Andre sehen bei weitem
schwärzer; man traut dem Halunken schon zu, dass er seine Wohltäter durch einen
feingefädelten Streich hinters Licht geführt hat.«
    Jetzt vermochte Daumer nicht mehr, an sich zu halten. Er blieb stehen,
wehrte mit beiden Händen ab, als drängen die Reden seines Begleiters wie giftige
Fliegen auf ihn ein, und stürzte ohne Wort noch Gruß davon.
    Das ist also die Welt, das sind ihre Stimmen, dachte er bestürzt; das zu
denken, ist möglich, es auszusprechen, steht jedem Mund frei! Und dieser Abgrund
von Unsinn und Bosheit soll dich verschlingen, armer Kaspar! Wenn du auch nicht
der Himmelszeuge bist, den ich wähnte, über ihnen schwebst du doch wie der Adler
über Koboldsgezücht. Freilich, sie werden dir die Flügel brechen; vergebens wird
die Schuldlosigkeit aus deinem Innern strahlen, sie werden es nicht sehen;
vergebens wirst du vor ihnen weinen und vergebens lächeln, du wirst ihre Hand
fassen und vor Kälte schaudern, du wirst sie anblicken, und sie werden stumm
sein, angstvoll sucht dein Geist die Wege zu ihnen, und Verrat führt dich auf
den verderblichsten von allen ...
    Man ist Prophet und hat ein mitleidiges Gemüt; man kennt die Menschen, man
weiß, dass das Feuer brennt, dass die Nadel sticht, und dass der Hase, wenn er
angeschossen wird, ins Gras fällt und stirbt; man kennt die Folgen dessen, was
man tut, nicht wahr, Herr Daumer? Aber ist dies etwa ein Grund, den
Geschehnissen, wie einem Feind, der das Schwert erhoben hat, in die Arme zu
fallen und den Schlag abzuwenden? Nein, es ist kein Grund. Oder ist es nur
Grund, ein kleines Entschlüsschen rückgängig zu machen? Nein, es ist kein Grund.
Darin haben die
