, still vor sich nieder.
    Da geschah es, als Hill den Fensterladen geöffnet hatte, dass der Knabe,
vielleicht wie nie zuvor in seinem Leben, den gefesselten Blick erhob, ihn von
der schweigenden, gleichmäßigen Furcht wegkehrte, die das Innere seiner Brust
beherbergen mochte, und ihn durchs Fenster hinausschweifen ließ in das besonnte
Freie, wo Ziegeldach an Ziegeldach sich steil und glühend rot auf einem
Hintergrund von bläulich dämmernden Wiesen und Wäldern malte. Er streckte seine
Hand aus; Überraschung und freudloses Staunen verzog seine Lippen, zögernd griff
er mit dem Arm in das funkelnde Gemälde, als ob er das bunte Durcheinander
draußen mit den Fingern anfassen wolle, und als er sich überzeugt hatte, dass es
nichts war, etwas Fernes, Trügerisches, Ungreifbares, da verfinsterte sich sein
Gesicht, und er wandte sich unwillig und enttäuscht ab.
    Am selben Nachmittag kam der Bürgermeister Binder in Daumers Wohnung und
teilte im Verlauf eines Gesprächs über den Findling mit, dass die Herren vom
Stadtmagistrat eher feindlich und ungläubig als wohlwollend gegen diesen
gestimmt seien.
    »Ungläubig?« entgegnete Daumer verwundert, »in welcher Beziehung ungläubig?«
    »Nun ja, man nimmt an, dass der Bursche sein Gaukelspiel mit uns treibt«,
versetzte der Bürgermeister.
    Daumer schüttelte den Kopf. »Welcher Mensch von Verstand oder
Geschicklichkeit wird sich aus purer Heuchelei dazu herbeilassen, von Brot und
Wasser zu leben, und alles, was dem Gaumen behagt, mit Ekel von sich weisen?«
fragte er. »Um welches Vorteils willen?«
    »Gleichviel,« antwortete Binder unschlüssig; »es scheint eine verwickelte
Geschichte. Da niemand sagen noch vermuten kann, worauf das Spiel hinaus will,
ist Vorsicht um so mehr geboten, als man durch leichtsinnige Gutgläubigkeit den
gerechten Hohn der Urteilsfähigen herausfordert.«
    »Das klingt ja beinahe, als ob nur die Zweifler und Neinsager urteilsfähig
heißen könnten«, bemerkte Daumer stirnrunzelnd. »Von der Gilde haben wir leider
genug.«
    Der Bürgermeister zuckte die Achseln und blickte den jungen Lehrer mit jener
milden Ironie an, welche die Waffe der Erfahrenen gegenüber den Entusiastischen
ist. »Wir haben eine neuerliche Untersuchung durch den Gerichtsarzt
beschlossen«fuhr er fort. »Der Magistratsrat Behold, der Freiherr von Tucher und
Sie, lieber Daumer, sollen dieser Untersuchung kommissarisch beiwohnen. Der
aufzunehmende Akt wird dann, zusammen mit den bereits vorhandenen, polizeilichen
Protokollen, der Kreisregierung überschickt.«
    »Ich verstehe: Akten, Akten«, sagte Daumer spöttisch lächelnd.
    Der Bürgermeister legte ihm die Hand auf die Schulter und erwiderte
gutmütig: »Seien Sie nicht so überlegen, Verehrter; unsre Welt schmeckt nun
einmal nach Tinte, und daran habt ihr Bücherwürmer doch wahrlich nicht die
wenigste Schuld. Übrigens«
