, sagte er mit leisem Widerwillen, »ganz abgesehen davon, dass mir
auch der Präsident Feuerbach unlängst darüber geschrieben hat, und zwar in
höchst eigentümlichen Wendungen, die auf etwas Besonderes schließen lassen. Aber
was heißt das: ihn ausforschen, ihn bewachen? Hat man darin nicht schon das
Äußerste versucht? Ärztliche Vorsicht und menschliches Gefühl befehlen mir jetzt
ohnehin die äußerste Behutsamkeit gegen ihn. Ich wage es ja kaum, ihn von der
einfachen Kost zu entwöhnen und ihn so zu ernähren, wie es durch die veränderte
Lebenslage bedingt ist.«
    »Warum wagen Sie das nicht?« fragte Herr von Tucher ziemlich erstaunt. »Wir
sind doch übereingekommen, ihn endlich zum Genuss von Fleisch oder wenigstens von
andern gekochten Speisen zu bringen?«
    Daumer zögerte mit der Antwort. »Milchreis und warme Suppe verträgt er schon
ganz gut«, sagte er dann, »aber zur Fleischkost will ich ihn nicht ermuntern.«
    »Warum nicht?«
    »Ich fürchte Kräfte zu zerstören, die vielleicht gerade an die Reinheit des
Blutes gebunden sind.«
    »Kräfte zerstören? Was für Kräfte vermöchten ihn und uns für die Gesundheit
des Leibes und die Frische seines Gemüts zu entschädigen? Wäre es nicht vielmehr
ratsam, ihn von der Richtung des Ausserordentlichen abzulenken, die ihm früher
oder später verhängnisvoll werden muss? Ist es gut, einen andern Maßstab an ihn
zu legen, als es einer natürlichen Erziehung entspricht? Was wollen Sie
überhaupt, was haben Sie mit ihm vor? Kaspar ist ein Kind, das dürfen wir nicht
vergessen.«
    »Er ist ein Mirakel«, entgegnete Daumer hastig und ergriffen; dann, in einem
halb belehrenden, halb bitteren Ton, der für einen Weltmann wie Tucher
verletzend klingen musste, fuhr er fort: »Leider leben wir in einer Zeit, in der
man mit jedem Hinweis auf Unerforschliches den plumpen Alltagsverstand
beleidigt. Sonst müsste jeder an diesem Menschen sehen und spüren, dass wir rings
von geheimnisvollen Mächten der Natur umgeben sind, in denen unser ganzes Wesen
ruht.«
    Herr von Tucher schwieg eine Zeitlang; sein Gesicht hatte den Ausdruck
abwehrenden Stolzes, als er sagte: »Es ist besser, eine Wirklichkeit völlig zu
ergreifen und ihr genugzutun als mit fruchtlosem Enthusiasmus im Nebel des
Übersinnlichen zu irren.«
    »Rechtfertigt mich denn die Wirklichkeit noch nicht, auf die ich mich
berufen kann?« versetzte Daumer, dessen Stimme leiser und schmeichelnder wurde,
je mehr das Gespräch ihn erhitzte. »Muss ich Sie an Einzelheiten erinnern? Sind
nicht Luft, Erde und Wasser für diesen Menschen noch von Dämonen bevölkert, mit
denen er in lebendiger Beziehung steht?«
    Baron Tuchers Gesicht wurde düster. »Ich sehe in allem dem nur die Folgen
einer verderblichen
