 es immer, dachte der Lehrer auf dem Nachhauseweg; erst wird
entschuldigt und beschönigt, und wenn man seine triftigen Gründe vorbringt,
werden die Achseln gezuckt, und man tischt einem Histörchen auf, die nicht
gestogen und geflogen sind, und von denen sich kein Jota beweisen lässt. Was für
ein Satan steckt doch in dem Burschen, dass er überall Neigung und Teilnahme zu
erwecken versteht, wo er sich auch zeigen mag! Dass kein Mensch seine Laster
sehen will und ganz fremde Leute, darauf versessen, ihn kennenzulernen, das
windigste Entzücken äußern und ihn verhätscheln, als ob sie verzaubert wären,
als ob er ihnen ein Liebestränkchen eingegeben hätte!
    Das erbitterte Quandt. Er sagte sich: nehmen wir an, ich träte unter
unbekannte Menschen und gäbe vor, der Heilige Geist oder sein Apostel zu sein
oder spielte mich als Wundertäter, auf, und es fiele dem oder jenem bei, ein
wirkliches Wunder zu verlangen, und ich müsste zugeben, es sei die blanke
Spiegelfechterei, was würde da passieren? Man würde mich ins Narrenhaus stecken
oder mit Prügeln traktieren; ja, das würde man, wenn ich auch noch so ein
Engelsgesicht aufsetzte, das würde man, und mit Recht; nicht aber würde man mich
mit Geschenken überhäufen und mich anhimmeln und meine schönen Augen und weißen
Hände bewundern und mir Haare zum Andenken abschneiden, wie ich das, Gott seis
geklagt, von einer verblendeten Menschheit hier erleben muss.
    Aus einem Selbstgespräch solcher Art geht klar hervor, wieviel
Kopfzerbrechen und welche ernste Seelenkämpfe dem Lehrer aus dem Umgang mit
seinem Zögling erwuchsen.
    Und was war früher mit ihm? grübelte Quandt. Wo kommt er eigentlich her?
Dahinter müsste doch zu kommen sein. Wie hat er sich das alles zurechtgelegt,
womit er die Dunkelmänner betört? Ja, das ist eben das Geheimnis, sagen die
Dunkelmänner. Geheimnis? Es gibt kein Geheimnis; ich verwerfe das Geheimnis. Die
Welt von oben bis unten ist ein klares Gebilde, und wo die Sonne scheint,
verstecken sich die Eulen. Gäbe mir nur der Herrgott einen Wink, wie ich dieser
diabolischen Verstellungskunst zu Leibe gehen könnte! Man müsste einmal ernstlich
zusehen, wie es mit dem Tagebuch beschaffen ist und was dahintersteckt. Das
Tagebuch scheint zu existieren, es scheint damit seine Richtigkeit zu haben,
abgesehen von allem Geflunker; vielleicht ist es eine Art Beichtgelegenheit für
ihn; man muss dahinterkommen.
    Die Begebenheiten halfen Quandt, rascher dahinterzukommen, als er gehofft.
 
                                Eine Stimme ruft
Eines Nachmittags im Hochsommer erschien Hickel und reichte Kaspar einen an ihn,
den Polizeileutnant, gerichteten, aber im Grunde für Kaspar bestimmten Brief des
Grafen Stanhope, in welchem dieser dem Jüngling klipp und klar befahl, das
Tagebuch an Hickel auszuliefern.
    Kaspar überlas
