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zudringlicher zu sein, als es Ihnen, verehrter Herr, genehm sein mag, und Sie um
eine rasche Erledigung der schwebenden Angelegenheit zu bitten, um so mehr, als
meine Teilnahme an dem Findling nicht mehr die gleiche wie ehedem ist, und er
selbst wiederum durch den gezwungenen Aufenthalt in meinem Hause sich mehr als
ein Gefangener, denn als Gast und zugehöriges Glied erscheinen muss. Ein
endgültiger Zustand wäre dem Jüngling ehestens zu wünschen; seine aufgeregten
Hoffnungen enthalten seinem Geist jede Ruhe vor, und Tag für Tag glüht er in
einer so fieberhaften Erwartung, dass an ein vorgesetztes Studium nicht mehr zu
denken ist und auch dem blödesten Auge die Unruhe seines Gemüts nicht entgeht.
Die Abende bringt er mit unnützen Schreibereien hin, und sein Hauptvergnügen
ist, mit der Spitze eines Bleistifts auf einer großen Landkarte die Straßen zu
verfolgen, die er bald mit Eurer Lordschaft zu fahren hofft, jedenfalls eine
praktische, wenn auch einseitige Art, Geographie zu treiben. Er spricht, denkt
und träumt von nichts anderm als von der bevorstehenden Reise, und wenn Ihnen,
Mylord, noch ein Geringes an dem Wohl des unglücklichen Jünglings gelegen ist,
so vermag ich keinen stärkeren Appell an Ihre Güte zu erheben als den, ein so
drängendes und fruchtloses Hinweben in möglichster Bälde zu beenden. Sie sind
der einzige Mensch auf Erden, dessen Wort und Name noch Gewicht in seinen Ohren
hat, und sein grenzenloses Vertrauen gegen Sie muss auch das Herz desjenigen
bewegen, der sonst durch die Launen, die Unverlässlichkeit und Zwitterhaftigkeit
des rätselvollen Wesens eines ehemals intensiven Attachements für ihn beraubt
wurde.
    Daumer an den Präsidenten Feuerbach:
    Eure Exzellenz haben mir die Ehre erwiesen, mich um Auskunft über Kaspar
Hausers nunmehrige Verfassung zu ersuchen. Ich muss gestehen dass mich dies
einigermaßen in Verlegenheit gesetzt hat. Ich habe mich in den letzten
anderthalb Jahren wohl gehütet, dem so sorgfältig Abgeschlossenen nahezutreten,
weil ja hierzulande jeder ängstlich bedacht ist, sein kleinstes Privileg vor
fremdem Einspruch zu wahren, und so wird ein Interesse, das die Menschheit
angeht und jeden freien Geist in Mitleidenschaft ziehen muss, unversehens zur
Angelegenheit einer Partei. Eure Exzellenz möge diese Insinuation entschuldigen,
sie möge lediglich für meine unerloschene Teilnahme an dem Los des Findlings
zeugen, das seinen Freunden heute weniger als je Anlass zu übertriebenen
Hoffnungen gibt. Die vertrauensvolle Zuschrift Eurer Exzellenz hat meine
Bedenklichkeit besiegt, ich habe Kaspar letzter Tage im Tucherschen Haus
aufgesucht, er ist auch, zum erstenmal seit langer Zeit, bei mir gewesen, und
ich gebe Ihnen hier einige Mitteilungen über ihn, die, wiewohl allgemeiner
Natur, doch das Besondere seiner gegenwärtigen Lage erhellen.
    Kaspar ist ein hochaufgeschossener junger Mann geworden, der jetzt gut und
gern den Eindruck eines etwa Zweiundzwanzigjährigen macht. Träte er
